je nach der Drehung des Kopfes mehr halblinks oder halbrechts. Die Ähn-lichkeit mit Dantes Maske wird immer hervortretender im Profil, und hiersind tatsächlich so ganz übereinstimmende Züge festzustellen, daß man aneine Wiederkunft denken könnte, zumal auch die bräunliche Gesichtsfarbemit mangelndem Wangenrot dantesk ist, wie es heißt. Wesentlich ver-schieden von Dante ist eigentlich nur die untere Hälfte der Nase und derBau des Kieferknochens. Wahntraum und bändigenden Willen vereinigenUnseres Dichters Züge in seltener Weise. Dem Eindruck des Gefaßten undStolzen beim ersten Zusammentreffen steht bei näherer BekanntschaftLebhaftigkeit der Rede, ja Leidenschaftlichkeit und zarte Reizbarkeit imbesten Sinne, die sich gern in Ironie flüchtet, gegenüber, und der Rhein-franke kommt bei der Wärme des Temperaments in der Sprache leichtzum Vorschein. —
George sagte gern Verse beim Gehen her, teils von Freunden und auf"itten auch von den seinen. Auch in meinem Atelier und Zimmer hörte ichmn mit seinem hellen klaren oft markigen Organ Verse sprechen, rhyth-misch jedes Wort zur Geltung bringend, doch weniger in Litaneienart,mehr den Sinn betonend als oft später. Es war die Zeit der Hymnen, derPilgerfahrten, des Algabal".
Bauer war der erste bildende deutsche Künstler, der mit George in Be-rührung kam, und wie die jungen Dichter von dessen Werk, so erhielt erv on dessen Zügen einen so starken Eindruck, daß er zu einem innigenStudium der europäischen Dichterköpfe angeregt wurde.
Als George im Herbst 1893 wieder nach München kam begegneten ihmdort hintereinander in den drei letzten Monaten des Jahres Klages, Wolfs-kehl und Schuler, die sich damals noch wenig angingen, aber später indieser Dreiheit von großer Bedeutung füreinander und für Georges Werku nd Leben werden sollten. Ludwig Klages, der 1872 in Hannover geborenw urde, betrieb damals am Polytechnikum naturwissenschaftliche Studien,besonders die Chemie und beschäftigte sich nebenbei schon mit der Aus-e gung von Handschriften, aus der er in späteren Jahren seine Charakter-künde entwickelte. Der jugendliche blonde Niedersachse war eine hoch-aufgeschossene Gestalt von fast ausgezehrter Schlankheit, man konnte ihnmit seinen großen blauen Siegfriedaugen eine germanische Schönheit nen-ne n, die nur wenig beeinträchtigt wurde durch seine etwas schief zurGrundfläche stehende Nase. Als George ihn kennenlernte war er noch völ-üg unberührt von Fragen der Kunst, unbedarft in Dingen der großen WeltUn d in beiden noch ohne Geschmack. Seine dichterische Anregung holteer sich bis dahin bei Wilhelm Jordan. Erst in der Gesellschaft des Dichterser hielten Provinzkinder wie er und auch Wolfskehl ein wenig weltmän-
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