geschlossenen Stehkragen mit anschließender weißer Schleife längerwirkte als er sein konnte. Der übrige Anzug war fast immer schwarz vonmodischem Schnitt. Man hätte ihn für einen Herrn der Gesandtschaft hal-ten können. Die dunkelblonden zurückfliegenden Haare trug er ziemlichkurz und regelmäßig, so daß der kugelrunde harmonische Schädel im Pro-fil klar hervortrat. Der spätere auf meinen Bildnissen oft so hervortretendeHinterkopf entstand durch die längere Haartracht. Die großen schmalenHände fielen mir durch ihre damals vollkommene Schönheit auf. WerHände lesen kann, dem erzählen Georges Hände soviel wie sein Antlitz.Die Hautfarbe des Gesichtes hatte bereits den bräunlich blassen, dabeietwas dunklen Ton. Sehr auffallend fand ich den medusenhaften seltsamenBlick der tief unter den felsigen eckigen Stirnknochen liegenden graugrün-lichen Augen, deren Iris um einen Ton heller gefärbt schien als die dunk-lere Epidermis der Lider und ihrer Umgebung. Dazu kam noch eine ge-wisse Gleichmäßigkeit im Ausdruck dieser Augen ganz im Gegensatz zuden übrigen Gesichtszügen. Alles das gab und gibt noch heute dem Ant-litz etwas Sphinxhaft-Dämonisches, wie wir es bei Napoleon geschildertlesen, wo die großen Augen ähnlich aus dem fahldunklen Fleischton her-vorbrachen oder vielmehr schimmerten. Die sehr breite nach oben starkzurückfliegende Stirn — mit den vielen Kanten und Flächen eine richtigeBildhauerstirn — die dichten dicken in ihrem Ansatz damals weit herein-reichenden Haare, dazu das triebsichere impulsive Kinn erinnerten mich andie Büste Alexanders des Großen, ebenso der mächtige löwenhafte Kiefer-knochen, während mich das Ganze mit dem energisch gepreßten Mund andie Münzen italienischer Renaissance (Malatesta, Coleoni und anderer)denken ließ.
Wenn jetzt mehr Deutsches in dem Abkömmling lothringischer Bauernsich bemerkbar machte, so ist es gewiß nichts vom norddeutsch-germani-schen Typus, sondern eher süddeutsch-keltisches Element. Wenn ich michrecht erinnere, so hielten andere George damals für einen Sprößling vonLiszt, dem Musiker, auch Wagnerisches wurde hinter ihm vermutet. Diegroße Breite des Gesichtsbaues mit Magerkeit verbunden ist mir nie mehrim Leben vorgekommen.
Bei meiner langen Beobachtung und Darstellung an Dichterge-sichtern sind mir hauptsächlich zwei Haupttypen (und Mischung untersich) aufgefallen: ein Schiller-Dante-Typus und ein Goethe-Homer-Typus: Georges Kopf möchte ich mehr zu ersterem zählen.--------Zum
Physiognomischen möchte ich noch hinzufügen, daß bei George das Ohrbesonders schön gebildet ist. Seine unregelmäßige Nase erscheint (wie dieSchillers obgleich ganz gegenteilig im Profil) bald gebogen bald wellig
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