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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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in die Sphäre unbedingter Gültigkeit und machten es zu einem allgemei-nen Grundgesetz der Dichtung. Die Kunst wurde ihnen zu einer Halb-wissenschaft, welche die natürliche und gesellschaftliche Wahrheit ansich nachbilden sollte, aber ohne die seit Jahrhunderten durchgebildetengenauen Mittel der Wissenschaft und ohne die seit Jahrtausenden bekann-ten und angewandten Mittel der Kunst! Was zutage kam, mußte not-wendig ein Zerrbild der Natur wie der Gesellschaft werden. Die vielge-rühmte Erweiterung des Stoffgebietes durch denNaturalismus" auf Ge-sellschaft, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft bedeutet künstlerischnichts solang es nurein ernstes Gespräch der Gegenwart mit ihreme igenen Echo" war. Was erweitert wurde war die Fähigkeit, öffentlichunter dem Anschein der Dichtung von Dingen zu reden, die unter derEbene des Anständigen lagen und in einer Art, die unter der Ebene dergesitteten Sprache lag. Als Natur galt das Gemeinste und Häßlichste,als Wahrheit das Äußerlichste und Niedrigste: Wenn es in dem blühen-den Deutschland nicht anging die unteren Klassen noch tierischer darzu-stellen als die russischen, so wählte man wenigstens die verkommenstenWinkel oder die längst erledigten Nöte schlesischer Weber zum Stoffeder Darstellung, und wenn es im Lande eines noch gesitteten fast prüdenBürgertums nicht anging die Verworfenheit englischer und französischerZustände zu unterbieten, so wählte man wenigstens statt der verachtetengefühlsseligen nun die gemeine Erotik der Gasse oder die noch gemeinereder Krankheiten zum Stoff.Die psychopathischen Elemente der Liebe"wagte 1892das Magazin" zu schreibenjene grauenhaften und nur demManne der Wissenschaft bekannten und verständlichen Verirrungen dessexuellen Triebes in der Literatur zu öffentlichem Ausdruck gebracht zuhaben, ist doch unbestrittenes Verdienst der modernen Dichtung". Sound ähnlich für die anderen Gebiete waren die neuen Offenbarungen,Welche aufdämmerten und in unzähligen Ankündigungen, Broschüren undVorreden als Mittel zur Enthüllung der Wahrheit, zur Lösung der Frauen-Und anderer Fragen, zur Hebung der Massen und Befreiung der Jugendangekündigt wurden. Heute begreift man kaum noch die Anmaßung mitder diese Programme auftraten, denn selbst wer hie und da in der Proseder Naturalisten noch ein erträgliches Stück, in ihren Gedichten noch eineStrophe nach seinem Geschmack finden könnte, muß zugeben, daß in ihrenRezepten das Subalterne und Geistesarme allzu erschreckend war. Sie recht-fertigten die Formlosigkeit ihrer Romane und Dramen mit der Notwen-digkeit derzwanglosen" undnatürlichen" Wiedergabe der Wirklichkeit°der ließen das naturwissenschaftliche Gesetz der Entwicklung auch fürden Ablauf ihrer Federstriche gelten.Da das Entwicklungsgesetz die

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