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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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nem Wesen, um nicht zu sagen Feminines. Es war der Herausgeber derobengenannten Zeitschrift, wie sich bald ergab. Der andere hingegenwirkte so stark eigenartig, daß ich die Blicke ein paarmal von ihm wen-den mußte, bis ich den Mut fand, seine Gesichtszüge zu erforschen.

Es war ein beinah leichenblasses Antlitz mit stark zurückfallender Stirnund mächtigem Hinterkopf mit schwarzem glatt zurückgestrichenemHaar. Die Augen waren tief eingesunken und umgeben von großen dunk-len Augenhöhlen. Sein Blick war nur schwer aufzufangen, er war nachinnen gewandt und schien beständig etwas Weitentlegenes zu schauen.Da er einige Male auf mich sah, fühlte ich eine unerhörte Glutkraft mirentgegenströmen. Die Nase war leicht nach unten gebogen, der Mundganz und gar ebengestreckt und mit einem eigentümlich zitternden Zugwie einem stillen Lächeln vor Schmerz, aber über seinem ganzen Gesichtruhte jene Klarheit, die uns der Kampf mit starken Stürmen verleiht. Ichfühlte instinktiv, daß ich vor mir einen von denen hatte, die des Leidensgroße Tiefe gepeilt haben. Er hatte etwas Imperatorisches in seinem We-sen. Sein Anzug war schwarz und eng anliegend. Er sprach langsam aberuüt einem Enthusiasmus der keine Widerrede duldete".

So sah man allerdings nur in Zenakeln, nicht in der Öffentlichkeit nachdrei Jahren seines Wirkens George in Paris und Neapel, in Lüttich undAmsterdam, in Kopenhagen und Stockholm, so sah ihn der Freund undder Fremde und wenn es nur wenige Stimmen waren, so klang denAllerweltskenner Brandes ausgenommen in ihnen allen doch eine Ah-nung von der menschlichen Bedeutung, ja manchmal schon von dem un-heimlichen Zauber durch, der von ihm ausging. Hören wir nach denStimmen des Auslandes was die Heimat von ihm wußte und wie sie ihn sah.

7. KAPITEL: DIE NEUE DICHTUNG UND DERDEUTSCHE NATURALISMUS

ALS im Jahre 1890 die HYMNEN Georges erschienen, war die deut-sche Dichtung noch in allen Schichten der Bevölkerung fast aus-schließlich durch die flach- und flaugewordenen Nachfahren der Klassikund Romantik bestimmt. Mit wenigen Ausnahmen wie Hebbel, C. F.Meyer und Leuthold waren diese Dichter nicht mehr imstande lebendigeErzeugnisse von Bedeutung hervorzubringen und auch die besten vonJ hnen machten der gewöhnlichen Tagesschreiberei durch gefällige Ge-schichten für die Menge Zugeständnisse, die jährlich an Seichtheit zunah-

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