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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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ser Wortmusik, die Stefan Georges dunkle und dämmernde Dichtung trägt.Diese uns oft unverständlichen oder nur halbklaren Verse haben eine Fähig-keit sich einem ins Bewußtsein hineinzusingen. Sie suchen einen heim instillen Stunden und man ertappt sich dabei, daß man mitten auf der Straßegeht und halblaut einen dieser absonderlichen Rhythmen hersagt... Es istZauberei in seinen Versen, Stimmungshexerei und eine Macht, wie sie dieAlten gewissen Runen beilegten. Wer mehr fordert, Klarheit, scharfe Ge-stalten, lieblichen Schein fordert muß sich folgender Worte von Goetheerinnern: Wenn durch die Phantasie nicht Dinge entstehen, die ewig pro-blematisch bleiben, so wäre es überhaupt nicht viel mit der Phantasie."Jörgensen gab dann, obwohl er selbst sagte, daß die Gedichte Georges sichnicht von ihrer Sprache losreißen ließen, so sehr seien sie mit ihrem Landverwachsen, zwei von ihnen in dänischer Übertragung wieder, die deutlicherkennen lassen, daß die Unklarheit der Gesichter und Gestalten, die er zufühlen glaubte, von seiner Unkenntnis des Georgeschen Wortschatzesherrührten.

Der Schwede Gustav Uddgren, der die Werke Georges in den gleichenJahren kennenlernte, wurde sich dieses Mangels deutlicher bewußt und ge-stand, daß diese neuen Dichtungen von Worten wimmelten, denen er nie-mals früher in der deutschen Dichtung begegnet wäre. Auch er fühlte jenenzauberhaften Sinn in den Gedichten, der ihn zwang, sie in der Stille vorsich selber aufzurufen und suchte ihn in der symbolischen Unterbedeutungder Worte zu erfassen, in deren Geheimnis sich das innere Erleben einerhohen Seele berge. Er hatte George an einem Frühlingsabend des Jahres1893 durch einen Zufall in Berlin Unter den Linden kennengelernt undschilderte diese Begegnung einige Jahre später in der Nordisk Revy in fol-gender Weise:Als ich in das große Cafe eintrat, wo die Fremden aus allenWeltgegenden sich versammeln, um abends ihre Zeitungen zu lesen, alteBekannte zu treffen oder neue Bekanntschaften einzugehen, fand ich mei-nen Freund im Gespräche begriffen mit zwei mir ganz unbekanntenPersonen.

Es war etwas so Seltsames und Diskretes über diesen beiden, daß ichstutzte und zweifelhaft wurde, ob ich zu ihrem Tisch vorgehen sollte. Abermein Freund nickte mir zu und ich wurde als ein Freund vorgestellt. Dasunterbrochene Gespräch wurde fortgesetzt. Sie sprachen über deutscheDichtung und daß die jungen Dichter sich zusammenschließen sollten undsie nannten öfters die Blätter für die Kunst. Ich schwieg und betrachtetedie beiden Fremden. Der eine war ein kleiner eleganter Herr, gekleidetnach der letzten Berliner Mode. Er sah aus wie ein junger Philosophiekan-didat aus besserer Familie. Aber er hatte etwas äußerst Sensitives in sei-

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