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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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dasselbe Wort wiederholt sich niemals im Reim.--------Durch genau er-wogene Wahl von Konsonanten und Vokalen bekommen wir einen Ein-druck ohne Zutat des Sinnes. Jubel und Trauer, Glätte und Härte, Nachtund Licht fühlen wir ohne daß wir die Begriffe dastehn haben. Ganze Versedünken uns aus einer anderen Sprache und versetzen uns in seltsame Un-ruhe. Alles läuft auf eines hinaus: den großen Zusammenklang, wobei wirdurch die Worte erregt werden, wie durch Rauschmittel. Aber trotzdiesem Ringen nach der höchsten und vollendetsten Form vermissen wirniemals die Seelentiefe. Die weittragende Bedeutung dieser poetischenSchöpfungen liegt nicht nur darin, daß sie neue Sätze über klangliche Mög-lichkeiten und Unmöglichkeiten und damit eine neue Poetik andeuten: sieteilen zugleich das sichere Gefühl mit, daß der geistige Gehalt jeder litera-r ischen Gattung auch der erzählenden und dramatischen eine Umformungerfahren muß."

Hier war schon klar betont, daß es sich bei der neuen Bewegung um eineWandlung des ganzen dichterischen Bereiches handle, vor dem die schul-begrifflichen Aufteilungen hinfällig waren. Die Blätter schieden sich von"eginn an von allen literarischen Gruppen und Bewegungen, welche unterder Maske einen besonderen Zweig der Dichtung zu pflegen, der Volks- oderFamilienkunde, der Erforschung von Gesellschaftsschichten oder sonsteinem nützlichen Geschäfte nachgingen vor allem vom zeitgenössischenRoman und Theater. Sie maßen den Romanenjenen bürgerlichen Ausdeu-tungen der Lebensvorgänge", wie es später in den Vorreden einmal heißt,Und den Theaterstücken der Zeit, in denen die Landesgeschichte flach undlangweilig behandelt, der Welt mit leidenschaftlichem Ernst ein Sittenspie-gel vorgehalten oder alle möglichen spannenden Streitfragen in Reden um-gesetzt würden, nicht anders als den Tageszeitungen vielleicht einen kul-turgeschichtlichen aber keinen künstlerischen Wert bei. Im bestehendenTheater war der Hauptanteil so sehr auf den Schauspieler gefallen, daß derdichterische Wert des Stückes darüber gleichgültig wurde: das war, wie die»Unterhaltungen im grünen Salon" sagengleichbedeutend mit dem Un-tergang des Dramas". Auch vom ausländischen Schrifttum konnte mankeine Abwendung dieses Untergangs erwarten: Ibsens neueste Stücke zeig-ten, daß er für seine der Zeit vorauseilenden Sichten keine andere dichte-rische Form zu finden vermochteals für seine ganz naturalistischen Gen-gangere". Frankreich und England waren für das Drama schon lange brach.Wenn der Belgier Maeterlinck mit seinen traumhaften Gestalten, seinenkuppen und seiner perversen Schmächtigkeit damals einige Erschütterungin Theaterkreisen hervorrief, so ließen die Blätter sich auch davon nichttäuschen. Die Aufführung seiner Stücke mit modischen Schauspielern war

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