die Versuche befreundeter Franzosen zurück, George als Glied ihrer Reiheund besonders als Nachfolger Baudelaires, Verlaines und Mallarmes anzu-sprechen. Das von Albert Mockel veröffentlichte Gespräch mit George ausden ersten Pariser Jahren (Rev. d'All. Nov.-Dez. 1928) zeigt deutlich, wieklar George sich des Gegensatzes der dichterischen Aufgabe in Deutsch-land zu der in Frankreich schon in der Frühzeit bewußt geworden war. Inder gemeinsamen Richtung der geistigen Strömung, welche in allen Län-dern dem Realismus gefolgt war, sah er mehr ein Zusammentreffen derGeister auf dem gleichen Wege als eine Abhängigkeit des einen vom an-dern. Der gleiche Umschwung bedeutete für die Dichtkunst der einzelnenVölker etwas völlig Verschiedenes, weil sie sich auf verschiedenen Stufendes Lebens bewegten. „Klassizismus und Parnasse," so formuliert KarlAugust Klein die Lage, „traten in Frankreich ganz anders auf als bei unsund die Vollendung des ,Parnasse', die wir noch nicht erreicht, ist drübenschon ein überwundener Standpunkt." Die Ursprünglichkeit Georges schienihm gerade an der Grundverschiedenheit seines Verfahrens von dem derFranzosen, insbesondere Baudelaires deutlich zu werden: „am Fehlen allerReflexion, aller Rhetorik. Im Gegensatz zu den Jüngsten, die die Formenauflösen, sind die seinigen streng regelmäßig und er läßt nie die Verständ-lichkeit und die zusammenfassende Beschränkung vermissen". Aber alldiesen europäischen Dichtern war aufgegangen, worin das Wesen der neuenDichtung liege: „das Wort aus seinem gemeinen alltäglichen Kreis zu rei-ßen und in eine leuchtende Sphäre zu erheben", und Klein wies noch deut-licher als die Pariser damals selber taten, darauf hin, daß die Urquellendieser Bewegung im germanischen Gebiet, in Deutschland und der deut-schen Romantik lagen, daß die hellsichtigen Aussprüche eines Novalis dieErfordernisse der sinnbildlichen Kunst ja jeder Dichtung im strengenSinne schon umschrieben hatten. Aus ihrem Erbe hatte sich in Deutsch-land eine neue Kunst entwickelt, die keiner Anlehnung an das Auslandmehr bedurfte: „Ihre Hauptstützen Richard Wagner der Komponist,Friedrich Nietzsche der Orator, der Maler Arnold Böcklin und der Zeich-ner Max Klinger. Zu ihnen tritt ein Dichter." Man spürt noch heute dasFeuer seiner jugendlichen Ergriffenheit durch manche seiner Sätze bren-nen: „Seitdem die alten Götter tot sind," schreibt er in seinem ersten Auf-satz, „haben wir es zum erstenmal mit den Offenbarungen eines ursprüng-lichen Geistes zu tun, der aus seinen Gedanken eine Welt für sich gebautund nach einem ganz bestimmten ihm eigentümlichen Plan ein stehendesabgerundetes Werk geschaffen. Die Form dieses Werkes ist im strengstenSinne klassisch. Hier gibt es keine falschen unreinen Reime mehr, keineneinzigen leichtsinnigen Fehler im Takt und — ein seltener Reichtum —
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