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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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den Weg zu den strengeren verschlossenen Gebilden des Rheinländers vor-bereitete. Die Leichtigkeit Hofmannsthals geht auch in dieser Frühzeitmanchmal bis zur Leichtfertigkeit und Unverantwortlichkeit, aber noch inseinen Ungewichtigkeiten und Entgleisungen bleibt er Künstler und istnoch Dichter, wenn er den Faden achtlos fallen läßt. Im Gegensatz zu denGedichten der HYMNEN und noch der FIBEL scheint ihm alles mühelos zu-zufließen und sich dem leisesten Druck seiner Hand einzuschmeicheln.Wenn seine Gehalte nicht immer groß sind, so ist ihr Ausdruck doch vongroßer Zartheit der seelischen Schwingungen, von zierlich leichter Anmutder Bewegungen und in den besten Augenblicken hat er die Geste destrunknen Sängers neuer Herrlichkeiten. Nicht die Welt der Dichter undHerrscher sondern der Maler und Abenteurer ist sein Bereich und die Künst-lergefühle der Renaissance-Menschen hat er in einer Steigerung von Glutund Farbe, Schwung und Fülle gegeben, wie sie damals die deutsche Dich-tung nirgendwo hervorbringen konnte. Ein solcher Hymnus wieDer Toddes Tizian" war noch nie auf das bildende Künstlertum gesungen worden,ein so hohes Lob des festlichen Lebens und der Ablehnung des gemeinenunkünstlerischen Alltags war noch nie in solchen Tönen von knabenhafterSchwermut und hinreißendem Jugendfieber erklungen. Nur aus der leben-digen Gleichung Wien-Venedig konnte diese zitternde Farbigkeit, dieseschlanke Schmiegsamkeit und der zarte Schauer um seine Gestalten kom-men und die Kentaurenszene etwa ist mehr ein italisches Bild nach Böcklinals nach einer griechischen Vase. Das Farbigfließende lockt seinen Pinselvor allem, Lebensstufen und Gestaltungsgrenzen gehen ineinander über,Welten und Geschlechter, Seelen und Leiber verschwimmen in buntenziehenden Wellen. Auch wenn seine Erinnerung in tiefere Schicksalsräumegreift, erscheinen Bilder eines dumpfen Getriebenseins, einer endlosen Ver-strickung, in der der Mensch wehrlos verhaftet ist. Er hatzu vielen Göt-tern Dienst zu tun" und schon früh läuft über all seine bezaubernden Tin-ten und Schmelze ein Rauch von Müdigkeit, ein Schatten des frühen Ver-strömens. Von den übrigen Mitarbeitern der Blätter, welche im Laufe desersten Jahres noch zu der kleinen Anfangsschar traten, bewegten sich dieGedichte von Max Dauthendey und Karl Bauer auf derselben malerischenLinie wie die von Hofmannsthal: Gedichte nach Bildern oder Farbenspie-len der Natur, aber von der plumpen Nachahmung durch ein Uberschwin-gen ins Traumhafte bei Bauer, bei Dauthendey durch eine Verseelung derFarben geschieden. Sie nahmen Versuche der Romantiker und Symbolistenauf, die für Deutschland in dieser Form noch neu waren und den späterenFuturismus" undImpressionismus" schon vorwegnahmen. Georg Ed-ward, ein junger Gießener Student, der später Professor der Literaturge-

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