von ihnen abgewiesen und vor modernen Schlagworten wie Symbolis-mus, Dekadentismus und Okkultismus gewarnt, welche auch schon inDeutschland auftauchten und geeignet seien die Köpfe zu verwirren. DieBlätter wollten, wie schon ihr Name sage, der Dichtung und dem Schrift-tum dienen und mit Ausscheidung alles Staatlichen und Gesellschaftlichen»eine Kunst für die Kunst" vertreten. Aber ein aufmerksamer Leser hätteschon aus den knappen und andeutenden Sätzen dieser ersten Vorrede er-kennen können, daß die formalästhetische Formel des L'art-pour-1'art beiden Deutschen eine andere Bedeutung hatte und sogleich einen in Frank-reich unbekannten Inhalt bekam. Diese Veröffentlichung hieß es „will dieGeistige Kunst auf Grund einer neuen Fühlweise und Mache".Ihre Verkünder lehnten es ab, mit anderen über das Wesen dieser Kunstzu streiten, aber sie wollten „zerstreute und unbekannte Ähnlichgesinnteentdecken und anwerben". Sie sagten noch nichts aus — außer im Ge-dichte selbst — welches diese neue Fühlweise, welches die neuen Mittelder Darstellung wären, aber sie wiesen mit dem Rate „sich allen Streites"nd Spottes über das Leben zu enthalten" das bürgerliche LeichtnehmenUnd die proletarische Entwürdigung des Wichtigsten zurück und stelltenGoethe als mahnendes Richtbild gegen das Zerreden und Zerfasern des Le-bendigen auf. Sie grenzten also das Feld ihrer Betätigung sorgfältig aufdie engste Aufgabe künstlerischer Gestaltung ab, aber auf diesem Gebieteverkündete der Schlußsatz eine stolze Siegeszuversicht: „In der Kunstglauben wir an eine glänzende Wiedergeburt". Die fünf Bände der erstenfolge, welche im Laufe eines Jahres bis zum August 1893 erschienen,rechtfertigen diesen Glauben durch eine Reihe von Dichtungen. Nebendenen Georges sind die Beiträge Hofmannsthals, nämlich „der Tod desTizian", die Idylle und einige seiner schönsten Gedichte die wichtigstendavon.
„Die Blätter für die Kunst wurden geboren, weil ein Dichter in einem an-deren Dichter eine Flamme entzündete, der gleich, die in ihm selberbrannte." Die Gedichte Hofmannsthals zeigen zum ersten Male das Wunderder Weiterzeugung des Georgeschen Geistes in dichterisch erschütterbarenMenschen, sein Weiterschwingen in einem fremden Seelenelement, dasUach der Berührung mit ihm zwar seinen dichtesten Eigenwuchs erhältaber zugleich in Art und Ton seiner Äußerungen Kunde geben muß vondem treffenden Strahl, der es befruchtet hat. Der härtere metallene KlangGeorges trat in den Werken Hofmannsthals als weiches fast musikalischesSchwingen auf, die plastische Formung der Bilder als fließendes auf schim-mernden Wellen gebrochenes Licht. Der neue Ton erhielt bei dem Sohnder Donau eine offene einschmeichelnde Leichtigkeit, welche für viele erst
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