auf neuer Bahn, wie nur die Größten sie kannten, in die Zukunft wandre,und Gerardy drückte auch dieses brennende Weh, den Freund nicht mehrkräftig genug begleiten zu können, mit solchem Adel aus, daß wir begrei-fen, wie viel schöner und edler selbst das Versagen nach begeistertem Ein-satz ist als kluge Vorsicht und weises Sich-Schonen. Es war wichtig,daß Männer von solcher Hingabefähigkeit wie Gerardy in den BannkreisGeorges traten und selbst wenn sie später wieder in eine dünnere Lebens-luft zurücksanken, doch in ihren Jugendjahren zu einem menschlichen Auf-schwung hingerissen wurden, der sie eine Weile über ihre Natur erhob. InGerardy gewann George einen neuen Freund und den dritten Dichter für diegeplante Zeitschrift, er verbrachte damals einige Wochen mit ihm und be-gab sich dann nach Paris, wo er sein drittes Werk, den ALGABAL vollendete.Auf die feierliche Entrücktheit der HYMNEN die sprühende Bildlichkeitder PILGERFAHRTEN folgte die leidenschaftliche Erhabenheit des AL-GABAL, auf den Einbruch und das Ringen um den neuen Sprachraum seinetriumphierende Eroberung. Sollte nach der im Schrifttum bisher nur vonHölderlin vertretenen Ansicht das „lyrische" Gedicht alle Sphären bis zumTragischen ausdrücken können, so mußte eine Dichtart entstehen, in derdas unmittelbare Erlebnis der Seele, ihr Sinnlich-Stoffliches wie Geistig-Besonderes, ganz zurücktrat, in der die Person des Dichters ganz in denGeschöpfen seiner Schöpfung aufging, der Zeigende nur in seinem Zeichenerschien. Im ALGABAL erscheint der Dichter nur mehr im überpersön-lichen Gleichnis seiner selbst, in einer sinnbildlichen Gestalt, die vom Er-lebnis nicht einmal mehr „mit der zarten Scheue des Akzidentellen", son-dern „in großen und stolzen, festen Tönen und mit entscheidender Verleug-nung des Akzidentellen" redet. Mit dieser Möglichkeit sich selbst als gei-stig-sinnliche Gestalt zu schaffen, mit seinem Tun und Leiden in den ihrzugehörigen Luft- und Weltraum einzugehen, hatte George erst die volleGewalt über die Sprache gewonnen. Wenn er in den HYMNEN ihr Erwähl-ter in den PILGERFAHRTEN ihr Geliebter wurde, so war er jetzt ihr Herrgeworden, der schrankenlos über die Wunder ihrer Liebe verfügte. Schondas Gesetz des Aufbaues zeigt die neue Herrschaft der Gestaltungen:ALGABAL ist nicht mehr nach der Entstehungsfolge im Lauf des Jahresgeordnet, an die Stelle der Wachstumsfolge ist die geistig geschichtete Ord-nung getreten. Das Gesetz einer festen plastisch ruhenden Fügung derBilder, das die ersten neuen Gedichte einzeln beherrschte, hat nun den gan-zen Gedichtkreis ergriffen, er ist als dreiteilige Fuge aufgebaut: „Unter-reich", „Tage" und „Andenken", deren ineinandergreifende Themen erstdas ganze Bild erzeugen. Das rhythmische Gefüge und die Gestalt, die esausdrückt, sind im Wesen eins: hier erscheint der selbstherrliche in sich
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