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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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umfurchte aber stets zu Witz und Scherz bereite Mund. Frühere PariserFreunde nannten Gerardyun homme haineux" und in der Tat habenmanche seiner Gedichte harte selbst böse Züge. Seine Verse sind von brei-ter derber Machart, so charakterisiert sie einmal Verwey:Sie erscheinenmehr auf sich gestellte Werkstücke als daß sie mir ein Bild der Persönlich-keit geben. Sie lassen mich an alte flämische Holzbilder denken mit gro-ßen ausdrucksvollen Zügen ohne Abtönung. Es ist als ob in Sorge vor demStoff der Widerstand leistet, der Künstler leidenschaftlich sein Augeauf das Wesen seiner Vorstellung hefte und dann fest und schnell dieHauptlinien davon ins Holz kerbte." Doch betrifft das nur die eine Seiteseines Wesens, in anderen Gedichten ist er von einer fast blumigen Zartheitdes Fühlens und vor allem von einer schmiegsamen Einfühlung in späteMenschen- und Völkerschicksale: nur ein Dichter, der durch die franzö-sische fin-de-siecle-Stimmung gegangen war, konnte die Endzeit eines Vol-kes mit solcher Plastik wiedergeben, wie er im GedichtByzanz" getan hat.Gerardy hatte eben seine erste GedichtsammlungLes chansons naives"vollendet, als er George kennenlernte. Sein erstes Widmungsgedicht (Blät-ter II, 2) an diesen gibt uns Kunde von der reinen Höhe ihrer erstenFreundschaft:

Auf deiner erhobenen theorbe singen die SterneVon Goethe von Platen und dem dichtergeblütDess klare hoheit entzündete die SterneDas freudige gold das germanische himmel besprüht.

Du Herrlicher singst allein noch die sänge der götterAus niederer menge die das schweigen entweihtDu wandelst hehr und die ganze freude der götterAus deinem mund sich in strahlenden takten befreit.

O sänger der mir meine lange torheit verdachteVon dem ich ferne mein leidendes leben verbrachteIch widme dir meine brüderlichen träume

Damit für euch ihr bewohner im heiligen lichteAus azur und reinem glänze sich errichteDas stolze schloß meiner brüderlichen träume.

Es ist neben den kurzen Widmungsversen Kleins und Hofmannsthals daserste veröffentlichte Bekenntnisgedicht an George, das erste von einer an-schwellenden Reihe, in denen sich Glut und Verehrung bis heute nicht ge-mindert haben. Wenn Gerardy später, wie ein zweites Widmungsgedicht(Blätter III, 4) es ausdrückte, in der Liedkraft erlahmt und fürchtete, daßihmMut zum Schaffen und zum Fluge" fehle, so geschah auch dies mitsolcher ernsten Trauer im Blick auf den, der ihm den hehren Schwung ge-lehrt, der in einsamem Stolze und mit Verachtung des niedrigen Heute

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