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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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mannsthal eine neue Form der Bekanntschaft auf der Grundlage gegen-seitiger Achtung und gewann ihn für seinen Plan, eine Zeitschrift fürdie neue Dichtung zu begründen. Die persönliche Ferne blieb und erst nachzehn Jahren gemeinsamen Wirkens sollten die beiden sich wiedersehen.

Ende Mai 1892 war George nach Lüttich gereist, wohin ihn der Brief desjungen Belgiers Gerardy zog, der die HYMNEN und PILGERFAHRTEN beiAlbert Mockel gelesen hatte. Paul Gerardy war um 1870 unweit Malmedyauf deutschem Boden geboren und hatte dort bis zu seinem zwölften Jahregelebt. Dann hatte ein Verwandter ihn nach Lüttich gerufen und ganz fran-zösisch erzogen. Denn Lüttich, von dem ehemals die ganze christliche Kul-tur des Niederrheins ausgegangen war, war in den letzten Jahrhundertenals nördlichste Stadt von der Welle des französischen Sprachgeistes über-flutet worden und stand damals in einem regen und innigen Verkehr mitParis. Mockel selbst, der das WortLa Wallonie" als Bezeichnung für einegeistige Gruppe aufgebracht hat, ließ seine Zeitschrift gleichen Namens inLüttich drucken. Mehrere der Pariser Symbolisten waren seine Mitarbeiterund verknüpften so den wallonischen Bereich noch fester mit Frankreich.Dennoch konnte Lüttich nicht ganz die Nähe des deutschen und flämischenSprachgebietes verleugnen, obwohl das Flämische nur in den armen Unter-schichten der zugewanderten Bergarbeiter gesprochen wurde. Von GeburtDeutscher, durch Bildung Wallone, der deutschen wie der französischenSprache völlig mächtig trug Gerardy das Wesen zweier Völker in sich. Erverband auf der Grenze der Länder die reife Geistigkeit Galliens mit den le-bendigen Elementen des germanischen Katholizismus, hatte von dort einefeste Kunsterkenntnis gewonnen und aus der Heimat, diesem Winkel altenRömertums, ein tiefes religiöses Spüren um das Heidnische und Christlichemit sich gebracht. Er wollte gern ein Heide heißen und seine späterenWahlsprüche" sind wahre antike Pansgesänge, aber das Christlich-Roma-nische herrschte in ihm vor und seine Liebe galt der mittelalterlichen Le-gende. Er war darum wie die meisten romanischen Schriftsteller der Politikdes Tages nicht abgewandt und schrieb als junger Mensch eine Satire aufLeopold von BelgienLes carnets du Roi" und eine schlimmere auf Wil-helm II.Le grand roi Patakake", die in Deutschland verboten, aber voneinem Wiener Verlag in einer Übersetzung veröffentlicht wurde. Sonst warer freilich in den Geschäften der Welt so wenig erfahren wie die Maler deslateinischen Viertels, nach deren Vorbild er sich ein wenig lässig trug: miteinem braunen Samtjackett und einem kleinen runden Hut auf den braunenHaaren. Um so geschulter war er in geistigen Dingen, eine große Klugheitleuchtete von der ungewöhnlich hohen Stirn, eine germanische Schwermutaus den dunklen weitgeöffneten Augen und beides vereinte der schmerzlich

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