und verwischt, in weicheren geschmeidigeren Zügen, wie Watteau oderFragonard es gemalt hätte, aber die Nase unter der kurzen schmalen, vonglatten Ponnys überfranzten Stirne, wie aus Marmor, so hart und entschie-den, mit starken starren unbeweglichen Flügeln. Braune lustige zutrau-liche Mädchenaugen, in denen was Sinnendes, Hoffendes, Fragendes miteiner naiven Koketterie, welche die schiefen Blicke von der Seite liebt, ver-mischt ist; kurze dicke ungestaltete Lippen, hämisch und grausam, dieuntere umgestülpt und niederhängend, daß man in das Fleisch der Zähnesieht. Ein feiner schlanker pagenhafter Leib von turnerischer Anmut, bieg-sam wie eine Gerte, und gern in runden Linien ein wenig geneigt, mit denfallenden Schultern der raffinierten Kulturen, von ungeduldiger Nervosität,aber die nicht wie jene des Kainz, an die man immer wieder denken muß,aus den Fingern sprüht, sondern in den hastigen Beinen ist, die immerzappeln. Aber vor allem in jeder Geste, jedem Ton, der ganzen Haltungwas unsäglich Liebes: das gewisse österreichische ,lieb', das sich wieein ewiger Mai in den linden lauen Akzent des Wieners und seinen Wal-zern wiegt." (Bahr, Freie Bühne, Januar 1892.)
Dieser offenbare Spätling und frühreife Mischling aus katholischen undjüdischen Familien der Kaiserstadt hatte durch manche Bekanntschaftmit Menschen und Werken schon ein bestimmtes Urttil über das nörd-lichere Bruderland, ihm schien unmöglich in Reichsdeutschland wachsenzu können was man in Jung-Wien von einer neuen Kunst erwartete undersehnte. Er erkannte beim zufälligen Zusammentreffen mit George ineinem Kaffeehaus sogleich mit Bestimmtheit die geistige Art dieses her-ben Deutschen und schon das erste Gespräch gab ihm die Gewißheit, daßsie beide ein Gleiches suchten. Dennoch ging er mit Zagen und derBefürchtung, eine neue Enttäuschung zu erleben, an die Lesung derHYMNEN, welche George ihm schenkte. Aber die Angst, es könnte aber-mals das Falsche sein, schlug nach der Lesung in Jubel und Begeisterungum, als er erkannte, daß hier die echte Dichtung sei, ja daß ein Ungeahn-tes aus diesen Strophen dringe, dessen flammender Wind in ihm selbstwie eine Erweckung wirkte, die stummen Saiten seiner Seele erzittern undihre heimlichen Klänge erst ertönen ließ, wie ein Widmungsgedicht ausdiesen Tagen bekannte. Eine kurze stürmische Gemeinschaft flammte auf.Die Gedichte Hofmannsthals aus dieser Zeit zeigen deutlich die Merkmaleder Befruchtung durch den stärkeren Geist Georges, sie sind von demeben erschienenen „Gestern", das sich kaum über die Epigonenschule er-hob, durch den Einstrom eines rauschhaften Schwingens unverkennbarunterschieden.
Für Hofmannsthal bedeutete das Zusammentreffen mit George den
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