liehen Gewalten der Erdentiefe in menschliche Gestaltung hinaufgerissen.Das weiteste Schweifen und Irren dieser Pilgerseele erscheint im Gedichtsicher umgrenzt und schön. So wird die zarteste Regung, die sie durch-zittert, wie der heftige Sturm, dem sie sich überläßt, doch immer Sinnbildder festen Zucht, die sie im Werk gewonnen hat. In den HYMNEN undden PILGERFAHRTEN ist dieses Ringen noch von einer spröden Unmit-telbarkeit wie später niemals mehr: Jeder Schritt des dichterischen Erle-bens, sein Beginnen und Gelingen, Verzagen und Erhoffen, sein Opfernund Entsagen, ist zugleich der zutreffende Ausdruck der Erschütterungendes Herzens. Die sprachlichen Erwerbungen sind spürbar an Tag undStunde der aufbrechenden Gefühle geknüpft und selbst die zeitliche Folgeder Gedichte, wie sie im Verlauf des Jahres entstanden, ist zugleich dieForm des Aufbaues dieser Frühwerke. In den HYMNEN ist es mehr einerster stürmischer Siegeslauf durch das Jahr, in den PILGERFAHRTENmehr ein Drängen und Suchen über das zeitliche Jahr hinaus in ein geistigbestimmtes: schon ein Pochen an verschlossenen Pforten, ein Sichstoßenan fremden Grenzen, schon eine Ahnung von den Widerständen des äuße-ren Schicksalsraumes. Die Sprache ist in den PILGERFAHRTEN noch sorauschend wie in den HYMNEN, aber es gibt schmiegsamere Maße undsolche von erregender Unruhe im Wechsel von ausladender Länge undkurzhemmendem Rückstoß, die Pracht und Glut der Farben sind noch die-selben aber die Palette ist vielfältiger geworden, Töne von einer entrück-ten Stille und Bilder von scheuer Süßigkeit und kindlicher Zartheit stehenzwischen solchen von düstrer Urkraft und geschmiedeter Kühle.
Über solchen Schöpfungen verging das Wiener Jahr und es schien als obGeorge so einsam wie er gekommen war die gesellige Stadt verlassen sollte.Nur das Warten auf die nach Lüttich zum Druck gesandten PILGERFAHR-TEN hielt ihn noch, als er kurz vor dem Aufbruch im November Hugovon Hofmannsthal kennenlernte und nach langen kargen Monaten füreinige Wochen von der stürmischen Hoffnung gewiegt wurde, ein höchsterWunsch könnte sich erfüllen, der Dichter den Dichter zum Freund gewin-nen. Der fast siebzehnjährige Hofmannsthal — er war zu Wien am i. Fe-bruar 1874 geboren — war damals schon in den literarischen Zirkeln Wienseine bekannte Figur, hatte unter dem angenommenen NamenLoris Gedichteund Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften und eben jüngst das Dramolet„Gestern" veröffentlicht, das die Anhänger der alten wie der neuen Dich-tungsart belobten und als eine Hoffnung der Künstlerschaft begrüßten.„Cherubin", so wird er damals geschildert, — „Gontram oder Guy aber insTheresianische übersetzt — und Kainz, so etwa lassen sich die Elemente derersten Empfindung sagen. Das Profil des Dante, nur ein bißchen besänftigt
32