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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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4 . KAPITEL: NEUE WERKE UND GEFÄHRTEN

ALS seine mexikanischen Freunde gegen Weihnachten des Jahres 1890in ihre Heimat zurückkehrten übergab George ihnen zu ihrer großenVerwunderung beim Abschied in Bremen den ersten Druck seiner Gedichteund schloß damit das Schicksal dieser Freundschaft ab. Dann fuhr er füreinige Wochen nach München, das ihn schon beim ersten Sehen erfreuteund fesselte und wandte sich von dort im beginnenden Frühling nach Ve-rona und Venedig, wo er die ersten wirklichen Eindrücke italienischen We-sens und Lebens empfing, wie sie dieGesichte" in den PILGERFAHRTENbewahren. Auch gab er sich in der Stadt der glühendsten Farben ganz dembestrickenden Zauber der großen Maler hin, die hier heimatlicher und irdi-scher erschienen als in den Galerien von London und Paris, Berlin undMünchen, die er schon kannte. Von Venedig fuhr er nach Wien, verbrachtedie Spätsommermonate wieder in England und Frankreich und kehrte nacheinem zweiten Besuche Münchens im Herbst nach Wien zurück: so im mit-teleuropäischen Bildungskreis von Nord nach Süd, von West nach Ostrastlos reisend schauend und suchend. Auf einer dieser Fahrten besuchte erdie Königsschlösser Ludwigs IL, zu dem ihn eine dunkle Neigung hinzogseit er am 13. Juni 1886 im Theater zu Mannheim während eines Zwischen-aktes die Nachricht seines tragischen Todes unter der erschütterten Mengeder Besucher miterlebte. Den größten Teil des Jahres verbrachte er inWien, wo er die Universität nur wenig besuchte, aber in der reichen Biblio-thek sich der ganzen Dichtung der Romantik bemächtigte und in ihr schonmanches Gut der neuen englischen und französischen Dichterschulen vor-gebildet fand. Die Wanderungen durch Stadt und Umgebung förderten die-sen Hang zur romantischen Zeit. Wien hatte nichts von der starken hasti-gen Triebkraft der Großstädte des Nordens und Westens. Das Leben derKaiserstadt war ruhig fast bis zur Lässigkeit, aber eine heitere Anmutmachte es einschmeichelnd und überdeckte den Mangel an tätigen Kräften.Musik, Theater und Tagesschreiberei hatten überwiegend den Anteil allerSchichten der Gesellschaft und verhüllten die Gefahren eines überaltertenvon bösen Spannungen drinnen und draußen bedrohten Staates. Hof undBürgertum fühlten sich noch getragen von einer altgeheiligten Sitte, derName der schon so lange herrschenden Habsburger, das Bild der Stadt mitder Fülle seiner Bauten und Denkmäler aus frommen und heldischen Zei-ten und eine ununterbrochene Überlieferung guter Lebensformen ver-knüpfte Wien wie keinen Ort sonst noch mit dem Glanz des mittelalter-lichen Kaisertums und der Pracht der katholischen Kirche. Dazu war esdie südlichste Hauptstadt des Deutschtums, einst das unerschütterliche

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