bleibt das Bild der stummen Treue, die nicht Lohn noch Liebe fordert undunverrückten Glaubens ins Dunkel geht. Solang er dienen konnte, diente erdem Freunde mit ganzer Kraft und gab George bei seinem Handeln in dieUmwelt die Möglichkeit, solang es ihm nötig schien im Hintergrund zubleiben und nur in wichtigen Fällen einzugreifen. Sichere Verschwiegen-heit, freudige Unterordnung und unbedingte Zuverlässigkeit zeichnetenihn in diesem Amte aus und da er mit den literarischen Gruppen der Haupt-stadt schon bekannt geworden war, konnte er von ihrem Treiben um dieErforschung der Wahrheit und Natürlichkeit berichten. Er sandte demFreunde noch zuweilen in der Nacht eine kurze Schilderung über das Tunund Gebaren dieser Leute und illustrierte mit grimmigem Hohn ihre Ar-tung durch gleichläufige Stellen aus den vorgetragenen Werken der „Fried-richshagener" oder anderer „Verbrecherkeller".
Zwischen der neuen Dichtung und jeder Art von Literatur dieser JahreJag eine unüberbrückbare Kluft. Um einen Ort und Mittelpunkt zu schaf-fen, der unberührt von dem öffentlichen Treiben war, beschloß Georgeschon im März des Jahres 1890 die Begründung einer Zeitschrift, derenäußere Leitung Karl August übernehmen sollte. Doch war der Plan zurAusführung noch nicht reif: zum Dichter mußten erst die gleichgesinntenDichter treten. Wo aber waren sie in Deutschland, in dem kein Hauch derSinnesart zu leben schien, die George forderte? Nur das tiefe Vertrauenseines Genius in die eigne Kraft und die Erlebnisse in Frankreich konntenihn hoffen lassen, daß in einer tieferen Schicht des europäischen Gesamt-lebens schon eine geistige Strömung gegen die Verödung, Erniedrigungoder Verwissenschaftlichung der Dichtung lebendig sei, deren Verkünderin Deutschland er selbst sein müsse. In dieser Hoffnung bestärkte ihn eineReise, die er im Hochsommer nach Kopenhagen machte. Er wurde dort mitdem Dänen Stanislaus Rosznecki bekannt und hörte von ihm zum erstenMale von einer jungen idealistischen Richtung des Schrifttums in den skan-dinavischen Reichen, wie sie etwa der Däne Jacobsen und dessen schwä-cherer Nachfahr Johannes Jörgensen fördere. Dann lockte Frankreich vonneuem: der Herbst führte ihn wieder nach Paris und erst als er im Win-ter nach Berlin zurückkehrte, ließ er die nun vollendeten HYMNEN ineiner kleinen für seine Freunde bestimmten Auflage herstellen, ein schma-les dünnes Heft, das sich auch in Druck und Ausstattung von allen Schrift-werken des öffentlichen Marktes unterschied. Es erschien im Dezemberdes Jahres 1890 in Berlin. Als Karl August das erste Heft in der Handhielt, sagte er halb scherzhaft: „Dies wird einmal so epochal wie das \Büchlein von der teutschen Poeterey."
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