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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Schwäche lindert, auf den quälenden Zauber der einmal begegneten Schö-nen, auf das stille Festmahl mit dem Prunk geheimen Wissens und dunk-ler Erinnerungen, auf Licht und Tod, Strand und Meer, Garten und Bild.Das alles bricht wie langgestaute Wallungen auf, rauschend, klingend,farbig, in immer wechselnden Maßen und dennoch ist nirgends ein nacktesGeschehen weder des inneren noch des äußeren Lebens als solches gegeben,die äußeren Vorgänge wie die inneren Schwingungen sind ganz in die be-rauschenden Klänge und Bilder und Farben eingegangen, sind nur alsDichtwerk und Dichtwert erkennbar und wirkend. Was den Dichter vomBeginn der zweiten Jahrsieben bis zum Ende des dritten mit dämonischerUnruhe heimgesucht, ihn zu den unwahrscheinlichen Versuchen, sicheigene Sprachen zu schaffen oder in fremden zu dichten, getrieben hatte,der tiefe in der kindlichen Frühzeit quälend bewußte Drang nach einemdichterischen Ausdruck für seine innere Welt hatte in den HYMNEN seineErfüllung gefunden: Der Genius hatte auf eine unerdenkbare Weise dasMittel gefunden, sein Wesen in lebendiger Sprache auszuwirken, er wardeutsche Stimme geworden und es war von nun an eine Frage der Kraftseines Geistes, wie groß der Weltstoff sein würde, den er mit ihr durchdrin-gen und wandeln könnte. Man mag in diesen Gedichten einen letzten Nach-klang des Goetheschen Tones, eine Verwandtschaft mit den Romantikernaufspüren, man mag ihnen nachrechnen, daß sie den älteren Franzosen denfehlerlosen Bau des Verses und den strengen Aufbau der Strophe, denjüngeren vor allem die seelischen Abschattungen und musikalischen Ton-stufen verdankten, unerklärlich bleibt neben allen Erbschaften und Ähnlich-keiten der geheimnisvolle Zauber der Neubeseelung unserer Sprache, dieso noch niemals erfüllte Dichte und Gespanntheit des dichterischen Aus-drucks, die so zum erstenmal geschaffene Verbindung der Heiligung undTrunkenheit des Wortes. Ein anderes Gesetz ist dadurch in das Leben desdeutschen Geistes gekommen: die Bändigung seiner leidenschaftlichen Be-wegung zum festumgrenzten Bild, die Formwerdung seines glühendenWerdens und Strebens in der scharf umrissenen Gestalt. Noch ist dieseBändigung in den HYMNEN manchmal von übertriebener Härte in derFügung der Worte, die Formgebung von jugendlich quälendem Unge-stüm in der Reihung der Bilder und Klänge, aber der eigene Ton ist unver-lierbar erobert, der Ort gewonnen, aus dem allein die Seele eines Volkeserneuert werden kann: das ursprüngliche Wort. Kaum hatte der Dichterseine Sprache gefunden, so erhob sich in ihm auch der Wille mit ihr zu wir-ken und zunächst die Umwelt auf dem eigensten Gebiete des Könnens, demder Dichtung zu wandeln. Die tathafte Kraft erhob sich zugleich mit derdichterischen, sie auszuwirken bedurfte er der Gefährten und das gütige

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