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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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kannten, eine gebändigte Würde, die das leidenschaftliche Leben über-herrschte und jedem Neugierblicke über das Kunstwerk hinaus unnahbarden Zugang verwehrte. Daß dies jetzt im ersten Reifejahr geschah, gehörtzu den Geheimnissen des Georgischen Lebens, dessen geistige Gezeiten sichmit den Kreisen des Wachstums in unbedingter Einheit zusammenschlie-ßen. Nach langsamem herben Knospen war die Zeit der ersten Blüte ge-kommen, nach scheu bewahrter Haft der fast sprengenden Säfte war derunfindbare Anfang plötzlich da: kein Paulinischer Einbruch von außen,keine jähe Erleuchtung von oben, sondern ein begnadeter Aufbruch desLangerschauten, Keuschgetragenen, eine Weihe, deren Zeichen dem Ge-weihten die Geburt des Werkes war. Es war auch keine Goethische Ent-lastung von quälendem Erlebnis und seiner Sühnung in der Werkgestal-tung, sondern eine Lösung aus reiner künstlerischer Not, die Gewährungeiner neuen Dichtersprache, um das göttliche Sein der Dinge auszudrücken,eines Lobgesanges für die heilige Welt. Die griechischen Lobgesänge aufGötter und Helden waren seit zwei Jahrtausenden verhallt, die Erzeugungder katholischen auf Gott und die Heiligen vor fünfhundert Jahren erlo-schen und nur ihre matten Abwandlungen noch im Schwange, den prote-stantischen Choral hatte die Musik aufgesogen, Hölderlins Hymnen lagenunbekannt oder unverstanden in toten Schreinen oder Büchern und waswar Dichtung überhaupt dem Geschlecht der Deutschen um 1890! Und den-noch trotz aller Verhäßlichung der Menschen und ihrer Werke um dieseZeit: waren nicht Himmel und Erde täglich neu, Geschöpfe und Dingenicht vom gleichen Lichte beseelt und bestrahlt wie vor tausend Tagen,war nicht das Wort unter den Schlacken des verwahrlosten Herdes in sei-nem innersten Glutkern vom gleichen Zauber zwischen Seele und Stoff wieehemals in schönerer Zeit? Gewiß war dies so und wird immer sein. Aberes bedarf des göttlich aufgeschlossenen Auges um das Ursprüngliche zusehen, es bedarf des göttlich begnadeten Mundes, um das Ursprüngliche zusagen, es bedarf des göttlich gesegneten Menschen, um das Ursprünglichesichtbar darzustellen und ein Volk ist tot, das ihn nicht mehr aus sich er-zeugt. Mit der Geburt der neuen Dichtersprache begann George die Schöp-fung einer neuen Menschenwelt: sie beginnt mit der Hymne, dem Lob-gesang. Mit dem Lobgesang auf die gewährende Herrin des Gesangesselbst, die dem am heimatlichen Wasser auf die Erhörung Harrenden dieSegnung bringt, mit dem Lobgesang auf den Dichter selbst, der inmittendes lockenden Jubels von Pflanze, Tier und Leib sinnversunken und sinn-klar zugleich den sich sträubenden Griffel führt, mit dem Lobgesang aufdas lösende Geleit der kindlichen Geliebten, auf den sommerlichen Gluttagder großen Stadt, der die brennende Glut des eignen Innern mit rettender

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