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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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nicht fand, in der schon die Worte aus ihrer gewohnten Fügung, ihrem Ge-meinplatz gerissen wurden, aber den befreiten noch kein eigener Klang- undBildraum gegeben werden konnte: es ist ein Schweben und Prüfen, ein Auf-bruch-Wagnis, halb zaghaft, halb trotzig, in Sinn und Ton ein Abschied-nehmen von alter Welt und zugleich von der eigenen Knabenzeit. Nochschwanken die Gebärden zwischen Stille und wildem Ausbruch, zwischenVerzicht und Begier, geweihtem Bezirk und offenem Sinnenplan: In derersten Legende ein Zweifel an der Reinheit der Geliebten, der als Frevel,als lieblose Selbstentweihung mit freiwilligem Tode gebüßt wird, in derzweiten mit Waffen- und Liebesweihe der Abschied von der herrischenEinsamkeit und stolzen Selbstgenügung der Knabenzeit, in der drittenFlucht und Aufbruch in die gefährliche Welt aus der Enge und Ruhe über-lieferter Heilslehre und toten Wissens, von Führern und Formeln, denender Jüngling entwachsen ist. Mit dem Willen, für den gewissen Friedendie Bahn ins Ungewisse, für die stillen Freuden Lust und Leid des Kamp-fes einzutauschen, treibt es ihn auf:

Der alten toten Weisheit zu entraten

Bis ich die lebende erkannt: der leiber

Der blumen und der wölken und der wellen.

Die ersten drei Jahrsieben waren vollendet, der Mündiggewordene tratüber die Schwelle und begann den eigenen Weg. Die befreundeten Fremd-linge ahnten nichts von der dichterischen Not Georges, sie suchten denGrund seiner Unbefriedigtheit auf einer anderen Seite des Lebens und müh-ten sich auf alle Weise, ihn für ihre Heimat zu gewinnen:drüben" habe ergrößere Möglichkeiten Macht und Reichtum zu erwerben, dort könne einMensch seiner Art viel leichter seine Tatkraft entfalten als im engenDeutschland! George hat einen Augenblick geschwankt, aber er hatte seinZiel schon nach anderem gesteckt als Macht und Reichtum, und schon wareben der deutsche Gefährte an seine Seite getreten, der über die Fremdenhinaus eine geistige Gewalt in ihm erkannte: Karl August Klein. Georgeblieb und der heimatliche Frühling gab ihm zum Danke das Höchste, waser begehrte und dessen er bedurfte, um leben zu können: die erste Dichtungeigner Art. Auf einsamen Wanderungen am Schlosse Bellevue fand er Er-hörung für seine quälenden Wünsche. Er dichtete dort die ersten derHYMNEN, die noch das besondere Tongepräge aus den Versuchen desWinters tragen, aber ganz aus dem Geist der deutschen Sprache geborenwurden und zugleich ein unerhörtes Neues aus seiner erwachten Seele un-serem sprachlichen Erbgut zutrugen: einen Klang, dessen südliche Fülleunser Ohr bisher nur in romanischen Lauten vermutete, ein Schreiten,dessen strenge Getragenheit wir nur aus antiken und katholischen Hymnen

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