Er wandte sich von dort noch weiter südlich zu den Ufern des Segura nachMurcia, dem letzten Herrschersitz der Mauren, und da ihn die einstige Ver-bindung des gotischen und maurischen Geistes beschäftigte, die noch in derBaukunst und in Resten des völkischen Lebens sichtbar war, lockte es ihn,dem Ursprung dieser seltsamen Mischung im mohammedanischen NordenAfrikas nachzugehen, doch ein Zufall verhinderte die Überfahrt und erkehrte nach Paris zurück.
3. KAPITEL: DER ERSTE GEFÄHRTEUND DAS ERSTE WERK
ZU Beginn des Winterhalbjahres 1889 reiste George nach Berlin, um ander Friedrich-Wilhelms-Universität die Vorlesungen über Sprach- undLiteraturkunde zu hören. Er fand auch dort keinen Lehrer, dem er sich näherhätte anschließen mögen, aber ein freundlicher Zufall führte ihm in den erstenTagen seines Aufenthaltes in der fremden Stadt seine jungen mexikani-schen Freunde wieder in den Weg. Mit ihnen verlebte er einige Monateherzlicher Freundschaft. Sie durchstreiften gemeinsam die große Stadt undlernten auf weiteren Wanderungen die kargen Reize des märkischen Lan-des kennen. Am liebsten war ihnen Potsdam, wo noch der Geist und dasbitterstolze Gedächtnis des großen Königs den Park von Sanssouci belebte.Ohne seine Freunde hätte George diese Stätten damals kaum gesucht. Hierim nordöstlichen Deutschland wurde der ganze Reiz der Pariser Dichter-gemeinschaft erst quälend lebendig. Der hohen Lautkunst des Westens, derklaren und beschwingten Form ihrer rhythmischen Gefüge, der gepflegtenund aufreizenden Melodik ihrer Tonfolgen stand in der Heimat dieschwächliche Reimerei der Spätlingsschule oder das eben beginnendezuchtlose Gerede der Naturalisten gegenüber. Die deutsche Sprache schiensich zu verzerren und in leerem Getöne oder häßlichen Zweckformen un-terzugehen. Die Unmöglichkeit, in ihr den dichterischen Ausdruck für dieBilder und Klänge zu finden, die ihn erfüllten, drängten George in eine quä-lende Einsamkeit zurück, aus der die heitere und herzliche Beweglichkeitder Südländer ihn nur äußerlich löste. Ja die vollen wohlklingenden Laute,welche ihm täglich aus den geliebten Mündern entgegenklangen, vermehr-ten eher das brennende Gefühl der Ohnmacht, weil er die spanische Sprachedamals für die schönste und geeignetste hielt, in der gehobene Formgebildezu schaffen wären und die deutschen Laute peinigten ihn geradezu. Wie erin Frankreich schon französische Verse gemacht hatte, versuchte er sich jetztin fast allen Sprachen, bis er zuletzt in der übersteigerten Not des innerenAusdruckswillens auf die ersten jugendlichen Regungen seines sprach-
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