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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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ten Geistigkeit an eine Erneuerung der Künste in Frankreich, ja in Europa,durch die Kraft ihrer Werke und Ideen glaubten. Saint-Paul und Mockelerkannten in dem jungen Deutschen, der schon damals nach ihren Erinne-rungen seine gewinnende Offenheit durch einen treffenden Spott, seinewarmherzigen Ereiferungen durch ein frühgereiftes Urteil mäßigte, der dasheitere Lachen der gesunden Jugend hatte, aber nur mit nachdrücklichemErnst von der Kunst und Schönheit sprach, den zukünftigen Dichter, alssie von ihm noch keinen eigenen Vers, nur einige Übertragungen von Bau-delaire kannten. Aber er besaß nach Mockels Worten jene Uneigennützig-keit, Glut und Ehrung der Schönheit, die nötig war, um zu Mallarme zuge-lassen zu werden. Sie rühmten ihn vor diesem als den jungen Goethe,denGoethe vor Werther", und Baudelaireübersetzer, und George nahm eineWeile an jenen Dienstagabenden bei Mallarme teil, in dessen enger Stubenur zwölf Platz fanden, und oft vor der Tür schon andere warteten, umnach dem Aufbruch der ersten den verehrten Meister sprechen zu können.Fand Verlaine sich einmal ein, so war es ein seltsames Bild, wenn die bei-den Führer am Kamin lehnten: Mallarme, der graziöse Franzose, mit einemkleinen Einschlag der jüngsten Londoner Mode gekleidet, der halb zer-lumpte Verlaine mit einem Sokrateskopf, buckliger Stirn, platter Nase undschwülstigen Lippen, die ein faunisches Lächeln umspielte, jener von einerüberaus gewählten Form der Rede, die vom hellen Scharfsinn bis zumdunklen Tiefsinn fast immer um künstlerische Mache ging, dieser bei kind-licher Gutmütigkeit von einem lässigen, giftgetränkten Zynismus der Er-zählung, die oft um das eigne Leben spielte, um jenefast keusche Odys 7see" mit Rimbaud, durch die Verlaine das seltsame Gemisch von Dichterund Trinker wurde, als den George ihn damals kennen lernte: der Halb-verkommene, wenn er im verschlissenen Rock auf dem Boulevard St.-Mi-chel dahinschlich, schon eine mythische Figur, vom Schicksal gezeichnet,dem Leid erlegen, langsam verstummend: der verfehmte Dichter.

In dem losen Bund von jungen Männern, in dem die ganze sinnlich-geistigeFülle Frankreichs dem Fremdling aus den feinsten Köpfen und heißestenHerzen zuströmte, verbrachte George den Frühling und Sommer. Wir kön-nen uns nach den erinnernden Erzählungen vorstellen, wie die ganze Scharvon der Rue de Rome, wo Mallarme wohnte, durch das nächtliche Parisam Bahnhof St.-Lazare, an der Oper, der Seine, der Sorbonne vorbei zumLuxembourg zog: in eifrigem Wortgefecht über künstlerische Werke undFragen streitend und lachend, die Gegner verdammend und die Bürger ver-spottend, wie sie auf dem Boulevard St.-Michel den begegnenden Verlainevergebens aus seiner schweigenden Verdüsterung zu reißen suchten undihn am Pantheon seiner Einsamkeit überließen, wie sie zu Hause in der

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