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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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vor dem Einfluß noch leichterer Epigonenschulen der genannten Dichterbewahrt. Deutschland war damals ohne geistige Bildungseinheit, und nichtmehr durch eine künstlerische Übereinkunft, wie sie der junge Goethe nochim Rokoko gefunden hatte, bestimmt, es war ohne eine lebende Dichter-gestalt, höchstens in Heyse lebte, mehr fast in Anspruch und Haltungals in Werk und Sein, ein schattenhaftes Abbild dessen, was den Deutschennoch ein halbes Jahrhundert früher die edelste Erscheinung geistigenMenschtums gewesen war: des Dichters. Die Jugend, welche der Gestalteines Lebenden zum Führer und Vorbild bedarf, suchte daher im Ausland,was sie im eigenen Lande nicht fand, und sah unter anderem auch in demNorweger Henrik Ibsen den Erneuerer der dramatischen Kunst und denVerteidiger eines neuen Lebenswillens. In jenen Jahren waren erst seineGesellschaftsstücke ins Deutsche übertragen worden, und George erlernte,um sich dieses Dichters ganz bemächtigen zu können, das Norwegische, lasvor allem die frühen historischen Dramen in der Ursprache und übersetztedenCatilina" vollständig ins Deutsche. Doch fühlte er bald, daß von dortkein Weg für ihn weiterführte. In diese Zeit der Beschäftigung mit dem frem-den Dramatiker fallen auch einige Pläne und Entwürfe zu eigenen Dra-men, von denen nur wenige kurze Auftritte ausManuel" später ver-öffentlicht wurden (Bl. I, 3) dieUmschreibungen zum Manuel" ge-hören schon einer späteren Stufe an. Das GedichtManuel und Menes"im SIEBENTEN RING faßte zwei Jahrzehnte später einen der Gegen-sätze der ursprünglichen Handlung kurz zusammen, deren Gesamtheit sichetwa als Widerspiel heldischen Tätertums und geistiger Herrschaft be-greifen ließe. Es waren die Jahre, in denen bei gewöhnlichen Naturen dieFrage nach dem Beruf, bei höheren Naturen die Entscheidung über dieBerufung deutlicher, bewußter vor die Seele tritt, wo Fähigkeiten, Neigun-gen und Kräfte zum ersten Male vor den Gerichtshof des eigenen Urteilstreten und einen Spruch verlangen. Die gewöhnlichen Naturen lösen dieFrage durch eine Wahl, welche hervorstechende Neigung, Umgebung oderZufall bedingen, den höheren hilft zur Entscheidung nur ein Horchen aufdie innere Stimme, ein Warten auf das Gebot des stärksten Dranges, einleises tastendes Fußrichten auf das dunkelgefühlte Ziel. Wenn Menes vomWillen beseelt war, die Welt durch Taten umzuwandeln, so glühte in Ma-nuel der Trieb, Mensch und Erde im geistigen Werke umzubilden. Beidewaren eine Seele und haben in einem Atem ihr Doppelwesen ausge-strömt, aber dem jugendlichen Dichter mußten sie als zwiespältige Poleerscheinen, für deren einen nur die Entscheidung fallen durfte. Er fühlteschon die Not einer Schicksalsfrage, deren Lösung den Einsatz seines gan-zen Daseins erfordern sollte.

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