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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Während der Schüler George den Verkehr in bürgerlichen Häusern,auch seiner Verwandten in Darmstadt, mied, suchte er früh nach Mitfühlen-den und Gleichgesinnten für das, was ihn innerlich bewegte. Er fand frei-lich auf der Schule in Darmstadt so wenig wie in Bingen die ersehntenGefährten, und in seiner Erinnerung lebt nur der schöne, früh verstorbeneSohn des Hofmarschalls als einer, der ihn tiefer anzog. Unter den Schul-genossen herrschte eher ein reges als stumpfes literarisches Treiben, undes gab Zirkel, in denen man gemeinsam Goethe las. Aber da sich ihre eigeneErzeugung nur in satirischen Glossen über Mitschüler bewegte, hielten sieGeorge nicht lange. In den letzten Schuljahren schlössen sich unter demEindruck des schon ausschwingenden Kulturkampfes die Katholiken desGymnasiums enger zusammen, um unter Georges Führung ernstere For-men der Dichtung zu pflegen. Diese Freunde sammelten ihre Erzeugnissein einem geschriebenen Heft, das sieRosen und Disteln" nannten undfür einen weiteren Kreis von Kameraden vervielfältigten. Die Mitgliederdieser Schülerzeitschrift sie erlebte nur eine Nummer haben denDichter noch einige Jahre begleitet, und einige der Beiträge wurden späterin den Blättern für die Kunst (I, 5) und in der FIBEL als Beispiele guterformaler Haltung in diesen Schülergedichten veröffentlicht.

Am 13. März 1888 verließ Stefan George mit dem Zeugnis der Reife dasGymnasium zu Darmstadt und kehrte zunächst nach Bingen zurück. DerVater hatte mit klarem Blick die besondere Artung seines ersten Sohneserkannt, und während der zweite sich einem geschäftlichen Beruf widmenmußte, ließ er jenem die volle Freiheit in der Wahl seines Weges. Georgeentschied sich seiner Neigung nach für ein Studium der fremden Sprachenund beschloß, sogleich nach England zu gehen. Die kleinbürgerliche Weltvon Bingen und Darmstadt war ihm schon zum unerträglichen Zwang ge-worden; er wäre in solcher Enge zugrunde gegangen oder hätte seine Kraftin Torheiten entladen müssen, die sie ins Sinnlose versprüht hätten. Erreiste den Rhein hinab über Holland nach London, der größten Haupt-stadt der Erde, und tat damit den ersten Schritt auf einer Wanderung,die ihn nach kurzen Rasten von Ort zu Ort geführt und bis heute keinEnde gefunden hat.

2. KAPITEL: DIE REISEN IM AUSLAND

IN London fand der Neunzehnjährige die geeignete Lebensluft für seineinneren Spannungen: ein weites Weltgefühl, getragen von großen staat-lichen Aufgaben und Zielen, eine alte, sorgsam die Überlieferungen wah-rende Bildungseinheit, eine festgeformte Lebenshaltung aller Schichten der

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