der Vorrede sagt, daß seine Freunde und Verehrer, die, den Druck betrei-bend, auf eine schöne Offenbarung warteten, vielleicht mit einer Enttäu-schung belohnt würden: „Sie werden das für die Zukunft Bedeutsame —sofern es nicht aus persönlichen Gründen oder als zu unfertig ausgeschie-den ist — gar oft verhüllt und verflüchtigt vorfinden, und sie bedenken zuwenig, daß die Jugend gerade die seltensten Dinge, die sie fühlt und denkt,noch verschweigt. Wir, die Dichter, aber erkennen uns in diesen Erstlingenwieder und möchten sie unter unsre besondere Obhut nehmen, wir sehenin ihnen die ungestalten Puppen, aus denen später die Falter leuchtenderGesänge fliegen, und lassen uns gern durch sie erinnern an die Zeit unsererreinsten Begeisterung und unserer vollen Blühwilligkeit." Darüber hinaussprechen die „Geleitverse" und die Gedichte selbst vom Schmerz des erstendumpfen Bildnerwillens: wie der reifende Knabe früh am Widerspruch zwi-schen großgefühltem inneren Bild und dem Unvermögen litt, es sprachlichzu fügen. Was er als Verwunschener im Zaubergarten der Träume vor sichsah, klang dem Enttäuschten in der dichterischen Fügung noch als WEI-SEN DÜRFTIG UND GEWOHN.
Und doch verraten diese stammelnden und schüchternen Versuche derFrühzeit bei aller Bindung am Überlieferten zuweilen schon einen eigenenTon: die Ausdrucksweise ist vielfach herkömmlich, aber nirgends nurnachempfunden oder als Nachahmung eines bestimmten Dichters anzu-sprechen. Ihre Inhalte entsprechen ganz der Altersstufe: erweckende undenttäuschende Liebe, Kampf zwischen Vernunft und Liebe, oder Ruhmund Liebe, Zwiespalt zwischen Streben und Können, Todnähe und Froh-locken, Frühling und Winter. Vom christlichen Glauben tönt kaum nochein Anklang hinein. Wie jeden Fünfzehnjährigen, der etwas auf sich hält,hat die Kirche auch diesen Frömmsten der Lebenden im gleichenAlter nicht fesseln können, da er die Erfüllung tieferer Sehnsüchtein ihrem Schöße nicht mehr fand. Die Versformen sind schwer, sicheraber weder frühreif, noch allzu gewandt. Hier und da unterscheidetein herberer Ton sie vom Singsang der damals üblichen Erzeugnisse, undihre fast immer strenge Formung rückte sie aus jeder Nähe der Tages-schule, die schon damals den festgefügten Vers zu verschmähen begann.Die lateinischen Hymnen der Kirche hatten schon ungewußt dem Kna-ben eine dichterisch strengere Weise eingepflanzt; seine Beschäftigungmit dem Italienischen, das er auch in Darmstadt an den Werken Petrarcas,Torquato Tassos und anderer Dichter weiterübte, hatte diese Neigung ver-stärkt, und bevor die allgemeinüblichen deutschen Jugenddichter Schiller,Heine und die Freiheitssänger auf ihn zu wirken begannen, war sein Geistschon durch jene strengeren Formen gebildet worden und blieb dadurch
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