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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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wesentliche Mittel seines Wirkens werden sollte, der Sprachen nämlich,verlebte Stefan George die Knabenzeit in Bingen bis zum Beginn desvierzehnten Jahres. Dann schickte sein Vater ihn nach Darmstadt auf dasaltberühmte Ludwig-Georg-Gymnasium, wo er im Herbst des Jahres 1881aufgenommen und die nächsten sieben Jahre in allen Fächern der huma-nistischen Bildung unterrichtet wurde.

Er lebte also in den Jahren, in denen der Blick sich langsam nach außenzu richten beginnt, in der Hauptstadt des Großherzogtums Hessen, dasmit der Neugestaltung Europas im Wiener Kongreß unter den deutschenMittelstaaten eine besondere Stellung eingenommen hatte: Hessen wardie Brücke gewesen, auf der sich Nord- und Süddeutschland einander ge-nähert hatten; ein Hesse, Friedrich von Motz, hatte als preußischer Fi-nanzminister zuerst die Zollverbindung zwischen Preußen und Hessen,dann zwischen den nord- und süddeutschen Staaten herbeigeführt, undzwar mit der bewußten weitausschauenden Absicht, das zerrissene undan allen Gliedern gelähmte Deutschland zu einem einheitlichen Wirt-schaftskörper gegen das ausbeuterische Ausland zu einigen, so dem WerkeBismarcks die wichtigste Grundlage schaffend. Auch in der Einheitsbewe-gung des Jahres 1848 hatten Männer aus dem hessischen Stamme, wieMax und Heinrich von Gagern, an der Spitze gestanden, und wenn derBruderkrieg des Jahres 1866 es notwendig auf der Seite der Süddeutschengesehen hatte, so war doch Hessen-Darmstadt einer der ersten Staaten,der fünf Jahre später die Einigung der Deutschen unter preußischer Füh-rung mitbetrieb, und auch im neuen Reiche eine engere Verwaltungsein-heit mit dem Norden einging. Die nähere Umgebung Darmstadts mit ihrenSandflächen und Kiefernwäldern erinnert nicht wenig an die Mark Bran-denburg, und das Haus Brabant hatte hier schon seit dem 18. Jahrhun-dert den gleichen Nachdruck wie die Hohenzollern in Preußen auf denmilitärischen Aufbau des Staates gelegt und eine Liebe zu soldatischerZucht gepflegt, die in den kriegerischen Eigenschaften des Hessenvolkesihre natürliche Grundlage fand. Der Militär- und Beamtenstaat hatte derResidenzstadt Darmstadt ihren weiten Aufbau gegeben, aber ihr fehlte dieRegsamkeit der südlichen Handelsstädte ebenso wie die industrielle Be-triebsamkeit vieler preußischer Städte, und sie machte damals wie heutenoch den Eindruck einer ungewöhnlich stillen, fast verschlafenen Stadtmit allzugroßen Schloßbauten und weiten menschenleeren Straßen undPlätzen. Aber für den Vater Georges war gerade die ruhige Wohlanstän-digkeit dieser Stadt entscheidend bei der Wahl der Schule für seinen Sohngewesen; das leichtfertige Mainz war zu nahe, Frankfurt zu groß undschon außerhalb der hessischen Grenzen gelegen.12