aufnahmefähig für das Fremde, und im Heimischen ohne die Schroffender gesellschaftlichen Ränge, von jener freien und leichtlebigen Art, vonjenem Leben und Lebenlassen, wie sie nur das katholische Weinland er-zeugt, und jener Freude am schönen und heiteren Genuß, der sie eher denwestlichen und südlichen, als östlicheren Ländern geneigt sein ließ. Umgeistige Erscheinungen freilich, gleichgültig, ob sie Paris oder Berlin er-zeugte, kümmerte man sich herzlich wenig. Im elterlichen Hause Georgeswußte man nichts von Literatur, und die Pflege der Dichtung überließ manwie üblich der Schule. Was Geist und Seele an Nahrung forderten, ge-währte jener heiter-ernste katholische Glaube, wie ihn das Rheinland solange bewahrte. Wenn er nicht mehr alle menschlichen Ordnungen regelte,so bestimmte er doch für die Frommen — und zu ihnen gehörte die Mut-ter des Dichters — das Verhältnis von Himmel und Erde, von Seele zuSeele; er hatte Heilmittel für alle Leiden, Tröstungen für alle Trübnis,die Forderungen seines Gottesdienstes bestimmten noch Tag und Woche,und die Reihe seiner farbigen Feste gab den Zeiten des Jahres ihren welt-haltigen Sinn und wechselnden Glanz. Ja, die Kirche hatte noch tiefereEinflüsse zu übermitteln als die tägliche Bindung an den Dienst Gottesund die zeitliche Eingliederung in ihre schöne und große Überlieferung,durch die sie jedem ihrer Kinder das sichere Stolzgefühl der Zugehörig-keit zum größten und ältesten Verband verlieh: sie hatte vom Anfang biszum Ende des Lebens die heiligen Weihen zu vergeben, deren Kräftedurch eine ununterbrochene Übertragung von Gewalt und Gnade auf dengöttlichen Urquell aller christlichen Kraft zurückreichten. George hat unsselbst im KINDLICHEN KALENDER die Kunde von dem tiefen Ein-druck aufbewahrt, den das kirchliche Jahr mit seinen Festen und Begehun-gen in der Seele des Knaben hinterließ. Dazu hatten Kirche und Reich,die großen Doppelgewalten, gerade am Rheine einen ungeheuren Schatzvon heiligen und ruhmreichen Erinnerungen aufgehäuft. In Bingen selbsterinnerte der Rupertsberg an die Blumenträume des knabenhaften Pil-gers, Herzog Rupert, an Hildegard die weiseste deutsche Frau, die überder Stadt gewohnt hatte; Kirchen und Klöster an den Ufern ringsumsprachen von Scharen heiliger Männer und Frauen, die Trümmer der Kai-serpfalzen in Ingelheim und Lorsch von den ersten karolingischen Grün-dern, die Dome von Mainz, Worms und Speier von den Schicksalen derSalier und Staufer, der erdüberschattenden deutschen Geschlechter un-serer größten Zeit.
So mit den Weihen versehen, in großer Überlieferung und glücklicherUmgebung, unter schönem Spiel und ernstem Traum, auf die Übung vonHand und Auge, und schon die Erlernung dessen bedacht, was ihm das
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