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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Entwicklung hingestellt. Dann wurde die Dichtung Georges zur Not an-erkannt vielleicht auch noch die Hofmannsthals alle anderen aberals gleichgültig und bloße Mitläufer bezeichnet. Dann wurde von Seitender Katheder-Literaten das Abnehmen des Dichterischen im Blätterkreisefestgestellt, hingegen eine Reihe wissenschaftlicher Leistungen (Friede-mann, Gundolf, Bertram und andere) als für die geistige Entwicklunghöchst bedeutend hingestellt, aber es wurde schweigend übergangen, daßalle jene Genannten immer nachdrücklich erklärt haben: das Dichterischesei die Quelle ihres Wissens und Sagens.

Gegenüber solchen mißverstehenden wie irreführenden Zeitstimmen, dievon uns in einigen Kapiteln summarisch zusammengefaßt worden sind,haben wir um so lieber zahlreiche Äußerungen der von Georges Person undWerk unmittelbar berührten Menschen wörtlich wiedergegeben auchgelegentlich Auslassungen von Laien nicht verschmäht. Besonders wich-tig scheint uns was Künstler und Dichter über Dichter sagen, in einerZeit wo nur der Kritiker oder Literaturhistoriker darüber spricht. Was wirden älteren und jüngeren Gefährten Georges wie Simmel und Breysig, vorallem aber Verwey und Gundolf für unsere Einsichten zu danken haben,sagen viele Seiten unserer Darstellung.

Für die klugen Alleswisser aber, die bereits aussprengten, daß es mit derDichtung Georges zu Ende wäre, als er gerade die letzte Hand anDasNeue Reich" legte, und für all die kleinen Schreiber poetischer oder pro-saischer Herkunft, die ohne Georges Wirkung freilich nicht denkbar sind,aber schon heute in ihm ein in die Geschichte Eingegangenes, für sie Über-wundenes sehen, bemerken wir, daß das Eigentliche seiner Wirkung ebenerst am fernen Horizont sichtbar wird.

Wir wissen, daß uns für unsere Betrachtungsweise der Vorwurf zu gro-ßer Einseitigkeit nicht erspart bleiben wird . . es lag aber in unserer Auf-gabe, im ungeheueren Wirrwarr der Zeit ein einheitliches Bild aufzurich-ten. Dennoch wird der Geschichtetreibende uns sicher Dank dafür wissen,daß er hier einmal Gelegenheit hat, in einem gegenwärtigen Vorgang denVerlauf einer Bewegung von Stufe zu Stufe verfolgen zu können, einer Be-wegung die anfangs so klein war, daß ein Atemzug sie hätte wegblasenkönnen, die aber nach einem Halbjahrhundert zu allgemeinster Bedeutunggelangt ist.