Zehnter Teil
Erstes Kapitel
Oftmals, wenn die früben Stunden kamen, fragte sichThomas Buddenbrook, was er eigentlich noch sei, was ihneigentlich noch berechtige, sich auch nur ein wenig höher ein-zuschätzen, als irgendeinen seiner einfach veranlagten, bider-ben und kleinbürgerlich beschränkten Mitbürger. Die phan-tasievolle Schwungkraft, der muntere Jdealismus seinerJugend war dahin. Jm Spiele zu arbeiten und mit derArbeit zu spielen, mit einem halb ernst, halb spaßhaft ge=meinten Ehrgeiz nach Zielen zu streben, denen man nureinen Gleichniswert zuerkennt zu solchen heiter skeptischenKompromissen und geistreichen Halbheiten gehört viel Frische,Humor und guter Mut; aber Thomas Buddenbrook fühltesich unaussprechlich müde und verdrossen.
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Was für ihn zu erreichen gewesen war, hatte er erreicht,und er wußte wohl, daß er den Höhepunkt seines Lebens,wenn überhaupt, wie er bei sich hinzufügte, bei einem somittelmäßigen und niedrigen Leben von einem Höhepunktedie Rede sein konnte, längst überschritten hatte.
Was das rein Geschäftliche betraf, so galt im allgemeinensein Vermögen für stark reduziert und die Firma für imRückgange begriffen. Dennoch war er, sein mütterlichesErbe, den Anteil am Mengstraßenhause und den Grundbesitz eingerechnet, ein Mann von mehr als sechsmalhundert-
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