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2 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
Seite
64
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Achter Teil

Erstes Kapitel

Wenn Herr Hugo Weinschenk, seit einiger Zeit Direktorim Dienste der städtischen Feuerversicherungsgesellschaft, mitseinem geschlossenen Leibrock, seinem schmalen, schwarzen,auf männliche und ernste Art in die Mundwinkel hinein-gewachsenen Schnurrbart und seiner etwas hängendenUnterlippe, wiegenden und selbstbewußten Schrittes überdie große Diele schritt, um sich von den vorderen Bureausin die hinteren zu begeben, wobei er seine beiden Fäustevor sich hertrug, und die Ellenbogen in legerer Weise anden Seiten bewegte, bot er das Bild eines tätigen, wohl-fituierten und imponierenden Mannes.

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Andererseits war Erika Grünlich, nun zwanzigjährig:ein großes, erblühtes Mädchen, frischfarbig und hübsch vorGesundheit und Kraft. Führte der Zufall sie die Treppehinab oder an das obere Geländer, wenn eben Herr Wein-schenk des Weges kam und der Zufall tat dies nichtselten so nahm der Direktor den Zylinder von seinemkurzen, schwarzen Haupthaar, das an den Schläfen schonzu ergrauen begann, wiegte sich stärker in der Taille seinesGehrockes und begrüßte das junge Mädchen mit einem er-staunten und bewundernden Blick seiner kühn umherschwei-fenden, braunen Augen... worauf Erika davonlief, sichirgendwo auf eine Fensterbank sette und vor Ratlosigkeitund Verwirrung eine Stunde lang weinte.

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