II. Eine latein. Übersetzung der griechischen Version des Kalilabuchs. 65
pdrr/s = adornat hylaritas datorem — Punt. 65, 4: %q^-(JaeQ-cu ravtrjv aötdvTm = precepit ungi infirmam quodam un-guento quod dicitur adyanto—Punt.71,1: [sQcatccQiog = actor-coreus — Punt. 121, 13: xul xaXsöea rovrov IldyxctXov = et vocaboeum nomine Pincellum u.a.m.
Auf Übersetzungsfehler weise ich in den Anmerkungen hin.Der Schluß des Ganzen ist in christlicher Tendenz, wie der Segens-spruch für den König zeigt, frei umgestaltet. Die Textvariantenerschließen eine griechische Quelle, die mit der Rezension BL zu-sammengeht, aber auch manches aus A und V 1 übernommen hat.
Zwei der gesamten Kalilabuchtradition fremde Erzählungenals Beispiele des unbesonnenen Jähzorns, auf den zu spät die Reuefolgt, und des begründeten Mißtrauens sind in den lat. Text ein-gefügt:
1. Zwischen der Erzählung Punt. 126 (das Taubenpaar) und127 (Affe und Linsen) steht das Motiv des wandernden Apfels,verknüpft mit jenem de.r tragischen Folgen übler Eifersucht.Letzteres mag auf die Geschichte von dem bei der Mutter ruhen-den Sohn zurückgehen, den der heimkehrende Vater für einenfremden Liebhaber hält (Phaedrus III, 10), vgl. dazu J. Hertel,Das Pancatantra, S. 296 ff. und die Nachweise zu Juan Manuel,Lucanor nr. 36 bei Chauvin, Bibliogr. II, S. 157. Näher kommenwir an unseren Stoff, wenn wir das Motiv von der schuldigen,sich durch Verschenken eines Apfels (ursprünglich der Frucht derUnsterblichkeit, dann der Jugend oder der Gesundheit) verratendenEhefrau ins Auge fassen: a) indisch in der Geschichte vom KönigBhartrhari und seiner Gemahlin Anaiigasenä, vgl. A. Weber, Überdie Sinhäsanadvätriiioikä = Ind. Studien XV (1878), S. 212 ff., so-dann in der Rahmenerzählung des Vikramacaritram, vgl. H. Oester-ley, Baital Pachisi oder die 25 Erzählungen eines Dämon, Leipzig1873, S. 176, ferner Journal asiatique 1844, S. 244 ff. und R. Basset,Etüde sur la Zenatia du Mzab, Paris 1892, S. 127. b) aus derbyzant. Periode (Chronisten zum Jahre 440) die Erzählung vomKaiser Theodosios dem Jüngeren und seiner Gemahlin Eudokia,die den Apfel an ihren Günstling Paulinos verschenkte, vgl. Webera.a. 0. S. 212, Oesterley a. a. 0. S. 177, Basset a. a. 0. S. 127.
Am meisten gleicht die lat. Erzählung einem Motiv aus Tau-sendundeiner Nacht (z.B. Habicht III 17, Henning I 157): „EinMann bringt seiner kranken Frau drei seltene Äpfel mit und findetspäter einen derselben in den Händen eines schwarzen Sklaven,der behauptet, er habe ihn von seiner Geliebten erhalten. DerMann tötet aus Eifersucht seine Frau, die indessen ganz unschuldig
Abhandlungen d. Oes. d. Wiss. zu Göttingen. Phil.-Hist. KI. N. F. Bd. XXI, i. 5