14 Beiträge zur lateinischen Erzählungsliteratur des Mittelalters.
liehe ist. Zur verkürzten Form (2 Tiere) gehört hier ßaldo: dracoet simia. Sonst ar.: Schlange, Affe und Tiger ; asp.: Affe, Dachs (texon)und Schlange; gr.: Schlange, Drache und Affe; hebr. u. JvC.: Affe,Schlange und Viper. Der Retter der in eine Grube als Tierfalle(JvC.: fovea capienäis feris, so auch gr., hebr. und asp.), aber ar.und bei Baldo in einen Brunnen (puteus, ima lacune) gefallenenWesen ist bei letzterem zu einem Jäger (venator) geworden, derältere Zug vom mitleidigen Mönch oder Einsiedler (ar. Pilger) istsomit verflacht.
Gaben der dankbaren Tiere: bei Baldo bringt der Affe Honigstatt der Früchte und der Drache ein Geschmeide: sertum gemmisauroque meraco ornatum, das er im Königspalast (sonst bei der Königs-tochter, die er tötete) gefunden hat. Daher fehlt bei Baldo dasschöne Motiv vom Biß des Königssohnes, wodurch die Schlangedie Befreiung ihres unschuldigen Retters von der Todesstrafe ge-schickt bewerkstelligt. Vgl. Benfey I 204, aber an eine Lücke inder Quelle, nach der Baldo arbeitete, glaube ich kaum, er kürzteben, wo er nur kann.
Der undankbare Goldschmied wird nach orientalischer Sitte ge-kreuzigt, Baldo scheint mir mit dieser Strafenart (vgl. auch ar.Guidi S. 97, aber ar. (W.) spricht vom Hängen) ursprünglicher zusein als hebr. und JvC. (suspensio).
XX. Baumzeuge und Dieb. Chauvin nr. 34.
syr. 45; ar. (Kn.)151; ar. (W.)I93; asp. 54; gr. 124; JvC. 90.
Wenn JvC. den Betrüger Deceptor und den Betrogenen Veloxnennt, so liegt hierin etwas Farbloses. Baldo, der hier die Ge-legenheit ergreift, etwas Lokalpatriotismus zu treiben (duo vicinisecus arva Ti'cini),[hat den alten Zug vom verschlagenen Betrüger(Dustabuddhi) und dem harmlosen Gefährten (Abuddhi), vgl. asp.artero e nescio, gr. xovijgbg xal <3%o)m6tik6s, die beide miteinanderHandelsgeschäfte betreiben, syr. zwei Kaufleute) getreu bewahrt,vgl. G. Paris a. a. 0. S. 216, der auch Benfey's Ausführungen I 278berichtigt, der aus Baidos Text zwei falsche Brüder herauslesenwollte. Doch ist weiterhin nicht mit G. Paris anzunehmen, daßhinter v. 669 etwas ausgefallen ist, da der als falscher Baumzeugefungierende Sohn des Betrügers (sonst überall dessen Vater) hin-reichend vom Dichter angedeutet ist. Dies ist Baidos bedeutendsteAbweichung von der sonstigen einheitlichen Überlieferung.
Bei Baldo erleiden zum Schluß Vater und Sohn die Feuer-strafe, was uns mindestens für den letzteren als den bloßen Hand-langer des Betrügers hart erscheinen muß. Bei JvC. stirbt der