Druckschrift 
1/2 (1928) I. Der Novus Aesopus des Baldo. II. Eine lateinische Übersetzung der griechischen Version des Kalila-Buchs
Entstehung
Seite
12
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

12 Beiträge zur lateinischen Erzählungsliteratur des Mittelalters.

Dann verunstaltet bei JvC.: avis quedam. 2. Überall ein Krebs,der im letzten Augenblick angesichts des Haufens der Fischgrätendie Gefahr erkennt, den ihn forttragenden Fischreiher mit seinenScheren am Halse packt und würgt, bis der falsche Freund ge-storben ist. Baldo ändert alles: 1. scorpio, der direkt (sonst derKrebs) die Fische umgarnt, daß sie sich von ihm forttragen lassen,später aber ist er als chelis (Schildkröte) bezeichnet. 2. einträger Vogel (volucrum quedam), der zu einem See (sonstHügel) getragen zu werden wünscht. Der Schluß ist aber vonBaldo ganz und gar* abweichend, nachdem ihm einmal der Skorpionals tückisches Tier eingefallen ist: nicht der Krebs kehrt siegreichaus dem Kampf mit dem Fischreiher zu den Fischen zurück, son-dern umgekehrt der Skorpion tötet mit seinem giftigen Biß denVogel:

Mox sed ab obsceno cadit ipsius icta ueneno:Hostis it illesus, uolucer perit ipse comesus.

XVII. a) Mann und Ö Ige faß. Chauvin nr. 60.

syr. 82; ar. (Kn.) 269; ar. (W.) II 1; asp. 129; gr. 239; hebr.145; JvC. 217.

Der die zunächst unfruchtbare Gattin tröstende Ehemann istin den anderen Versionen genauer ein Magier (syr.) oder frommerMönch, bei JvC. ein Einsiedler. Daß die Frau ein Kind gebärensoll, ist bei Baidos kürzender Tendenz fortgefallen. Während fernersonst der Einsiedler (syr., asp. ein Reicher) das Gefäß mit Honig(aber syr. bereits ülgefäß mit Honig und auch etwas Gerstenmehl,ar. (Kn.) Honig und Ol, asp., gr. Butter und Honig, demnach trifftBenfey's Bemerkung I 490: „Baldo hat auf eigene Hand Öl statt desHonigs im Arabischen" nicht ganz zu) an einem Nagel oder sonstwieüber seiner Lagerstätte an der "Wand aufhängt, heißt es bei Baldo:qtädam pauper vas olei fune ligans suspendit in alto tecti, also poe-tische Ausschmückung. Die schöne Steigerung der Einzelzüge beider Ausmalung der Zukunft des baldigen Vaters läßt er sich ent-gehen, betont nur die erhoffte Hochzeit mit einer vornehmen Dame.Die Rahmenerzählung setzt er dann abweichend von allen Fassungendahin fort, daß der Mann die Frau wegen ihrer kühnen Erzählungschlagen will, worauf sie ihm zur Belehrung die zweite Geschichtezum besten gibt. Sonst jedoch bildet diese den Schlußteil derRahmengeschichte selbst, da es sich darin um das Kind derselbenEltern handelt, die lange vergeblich auf Nachkommenschaft hofften.

b)Maus (statt Ichneumon oderWiesel) undSchlange.Chauvin nr. 59.