8 Beiträge zur lateinischen Erzählungsliteratur des Mittelalters.
syr. 52; ac. (Kn.) 192; ar. (W.) I 147; asp. 79; gr. 157;hebr. 18; JvC. 135.
Es ist das 4. Kapitel bei Joh. v. Capua, aber Baldo erlaubtsich einige Abweichungen, seine Darstellung ist auch nicht durch-weg klar. Wir erhalten bei ihm folgende Teile:
1) Maus befreit die Tauben aus einem Netz (gekürzt).
2) Bündnis zwischen Maus, Rabe und Schildkröte.
3) Maus soll die Lösung des Problems betreffs des Unterschiedszwischen einem Freigebigen und einem Geizigen geben. Dieser Ab-schnitt bereitet große Schwierigkeiten. Du Meril hatte ihn ausdem Fabelinnern ganz ausgeschieden und S. 230 in einer Anmer-kung wiedergegeben: „Nous ajouterons ici, avec toutes leurs al-terations, les vers intervertis qui appartiennent certainement äune autre fable de Baldo." Benfey I 316 ist es nicht gelungen,den dunklen Text, der ihm arg verderbt vorlag (z. B. arce stattmite), aufzuklären, aber er sah richtig, daß es sich in dieser sonstnicht belegten Fabel um das Problem largus-avarus handelt, dasim Kelilabuch nur sentenzenhaft gestreift ist, und schließt: „DieHarmonie zwischen Joh. v. Capua, Possinus und Baldo macht un-zweifelhaft, daß diese Stelle aus einer arabischen Rezension her-rührt, obgleich sie weder Silv. de Sacy's Text noch die sanskriti-schen haben." In der Tat lesen wir ar. (Kn. S. 206): for his cou-rage [seil, of the poor man] is called rashness; his disposition tobe liberal, did he but possess the means, is stigmatized as pro-fusion. ar. (W. 1167): Es gibt keine Eigenschaft, welche demReichen zum Lobe gereicht, die nicht dem Armen zum Tadel ge-reichte; denn wenn er kühn ist, so nennt man ihn unbesonnen;wenn er freigebig ist, so heißt man ihn einen Verschwender.Vgl. gr. 175, 31. Ferner asp. 89, 334: Et vi que avia entre la es-caseca e la franqueza grand diversidad. hebr. (Joel, S. 45):J'ai trouve" que la difference entre l'homme genereux etFavare etait grande. JvC. 152,9: Et vidi differentiam queest inter prodigum et avarnm, que maxima est. Inveni enim,quoniam qui contentus est sua portione bonorum nee appetit ultraquam datuni fuerit sibi, dives est, et illud ei valet plus quam omnesdivitie. Woher Baldo die folgende Geschichte der Maus bezogenhat, habe ich nicht ermitteln können, vielleicht ist sie seiner Phantasieentsprungen, da doch im Kelilabuch die Handlung (Emporschnellender Maus nach dem Goldschatz des Einsiedlers, den dieser unterseinem Kopfkissen versteckt hat, Stockschläge auf den Kopf derMaus) ganz anders verläuft. Da Benfey mit der Erzählung, derenAnfang er übersetzte, nichts anzufangen wußte, setze ich meine