7
Rechte behaupten „er ist nicht gelehrt/ Jetzt aber,wenn ich weiß, daß er sich allmählig die Gelehrsam-keit errungen hat, kann ich sagen: Dieser ist gelehrt.Aber in Einem Denkakte (zugleich) darf ich nichtvon demselben Subjekte widersprechende Prädikate be-haupten, ich darf nicht sagen: „Dieser ist gelehrt (z.B. in der Mathematik), und dieser ist nicht gelehrt inder Mathematik." Dieses nun drückt der Satz desWiderspruchs aus: „Von demselben Subjek-te dürfen nicht in Einem Denkakte (zugleich)widersprechende Prädikate gedacht werden."Hast du also aus einem gültigen Grunde von einemSubjekte ein Prädikat gesetzt; so darfst du nicht zu-gleich das diesem Prädikate entgegengesetzte Prädikatsetzen; überhaupt darfst du (wenn du auch noch kei-nen gültigen Grund für die eine oder andere Behaup-tung hast, doch wenigstens) nicht zwei widersprechendePrädikate von demselben Subjekte zugleich ausspre-chen; das positive Prädikat ist der Grund, warumjetzt das negative auszuschließcn ist (und umgekehrt).
M. Es fragt sich nun weiter: „Zwar ist demPrädikate „glücklich" das Prädikat „«icht glück-lich^ widersprechend entgegengesetzt, daher könnennicht beide von demselben Subjekte zugleich ausgespro-chen werden: aber ist nicht vielleicht zwischen „glück-lich" und „nicht glücklich" irgend ein Mittelding,ist dem „glücklich" nur das Prädikat „nicht glücklich"entgegengesetzt? sind also auch in Beziehung auf einedritte Vorstellung (auf ein Subjekt) nur zwei kon-tradiktorische Prädikate möglich? Wer mit vollem Be-