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welchem sein Mädchen gefangen war, schrieb man dem gerechten Urtheile Gottes zu, der denmaßlosen Geiz des Vaters strafen wollte. Die Diener, welche er aus seinem Volke genommenhatte, hielten es nicht für gefehlt, wenn sie ihn betrogen, und sie hätten dieses, wenn er nurnicht so scharfsichtig gewesen wäre, gerne in noch größerem Maßstabe gethan.
Wenn er zu Hause war, saß er immer in Ditha's Zimmer, sobald er nur seine Rech-nungen und seine Geschäfte abgethan hatte. Der kleine Sessel mit der Hinterlehne für ihrschönes Haupt war ihr lieb geworden, sie saß jetzt gerne darinnen, obwohl er für die aufblühen-den und empor strebenden Glieder zu klein geworden war. Da kauerte der Jude auf einemkleinen Schemel neben ihr, und sprach immerwährend zu ihr. Er lehrte sie Worte sagen, derenBedeutung sie nicht hatte — sie sagte die Worte nach und erfand andere, welche aus ihrem in-neren Zustande genommen waren, die er nicht verstand, und die er wieder lernte. So sprachensie stundenlange mit einander, und jedes wußte, was das andere wollte. Sie streichelte öfter mitihren kunstreichen Händen, nachdem sie ein wenig in der Lust gesucht hatte, seine harten Wangenund seine schlichten dünner werdenden Haare. Zuweilen legte er Geschenke in ihre Hand,ein Stückchen Stoff zu einem Kleide, dessen Feinheit sie greifen konnte, und verstand; nament-lich Linnen, das sie sehr liebte, dessen Glätte, Weiche und Reinheit sie besonders zu beurtheilenverstand, und das, weil sie nie unter Menschen kam und Putz brauchte, nicht nur das ihremKörper zunächstliegende, sondern meistens auch einzige Kleidungsstück war. Wenn sie ihr linne-nes Ueberkleid über das untere gethan hatte, nm damit im Hause zu sein, legte sie seine Faltenso schön, und machte vorne die Spange zu, daß Sehende geglaubt haben würden, sie hätte dasWerk vor dem Spiegel gemacht. Und dann strich sie mit der Hand längs des Stoffes hinab,und faßte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, und sagte: „Vater, das ist noch weicher, alsdas andere."
Die Füßchen, an denen Schuhe waren, stellte sie nebeneinander auf den Schemel, undgriff die Weichheit desselben. Manchmal gab er ihr Eßwaaren, die er gebracht, Früchte unddergleichen — und wenn, sie den Kern oder anderes, das weg zu legen war, zwischen den Fin-gern hielt, suchte sie nach der daneben stehenden Tasse, damit ja nichts beschmutzt würde.
Ihr Gliederbau bildete sich allgemach höher, und wenn sie in dem Grase des Gartensging, oder die weiße Gestalt neben der weißen Mauer desselben, so gab sie das Bild eines er-wachsenden Mädchens. Unter den sehenden Wesen war Asu, der Hund, von dem Abdias ammeisten geliebt wurde. Er hatte ihn einstens, weil man seine Mutter erschlagen hatte, und ernoch blind war, aufgelesen und erzogen. Dieser Hund da er erwachsen war, begleitete Abdiasüberall, und wenn er halbe Tage lang bei Ditha in dem Zimmer, oder manchmal auch in demGrase des Gartens saß, so saß der Hund immer dabei, wendete kein Auge von den beiden, alsverstünde er, was sie sagten, und als liebte er sie beide. Wenn Abdias Nachts in sein Zimmerging, um zu schlafen, legte er dem Hunde unter dem Tisch seinen Teppich zurecht, und richteteihn, daß er weich sei.