unruhig, und sprach ihre unbekannten Worte, bis er begann: Dann ward sie stille, und einDing, wie Freude, ja sogar wie ein sehr verstandesvolles Mienenspiel, schimmerte in ihrenZügen.
Abdias kam bei dieser Entdeckung auf einen Gedanken, der sich wie ein Blitz, wie eineleuchtende Lusterscheinung durch sein Haupt jagte, er dachte: das arme, gemarterte Kind könneblos blind sein.
Sogleich begann er, als ihm dieser Gedanke gekommen war, Versuche, um zu prüfen,ob es wahr sei, oder nicht. Er ließ das Mädchen leicht gekleidet auf sein Bettchen legen.Dann holte er eine lange sehr spitzige Nadel, und mit derselben stach er sie in die Hand. DieHand zuckte zurück. Er stach wieder, und sie zuckte wieder. Dann berührte er blos die Handmit der Spitze der Nadel, und siehe, sie zog sich auch zurück. Das Kind mußte, wenn es sah,nun die Nadel kennen, und mußte wissen, daß die feine Spitze derselben das Schmerzende sei.Er näherte nun die Nadelspitze dem schönen großen, blauen Augapfel — immer mehr — immermehr fast bis zur Berührung: es erfolgte keine Regung, in ruhigem Vertrauen stand das Augeoffen. Er holte nun noch aus der Küche eine glühende Kohle, nahm sie in eine Zange undnäherte sie dem Auge — er schwang sie stille aber dicht vor dem Antlitze in Kreisen, daß sieflammende Linien zog: aber es erfolgte ebenfalls keine Bewegung in dem Angesichte, welchezeigte, daß das Kind die feurigen Kreise gesehen hatte. In derselben sprachlosen Ruhe blieb dasschöne Auge. Er versuchte noch eins: er schlug mit seinen Fingerspitzen sehr schnell aber laut-los nahe oberhalb der Wimpern durch die Luft, bei welchem Verfahren fast alle Menschen undum so viel mehr die Kinder blinzen müssen: aber Ditha wußte nichts, daß diese Bewegungenso nahe an ihren Augenlidern vor sich gingen.
Es war für ihn nun richtig, und alle bisherigen Erscheinungen an dem Mädchen warenihm klar. Es war blind. In der andauernden Nacht war die junge, verkannte, über dasWesen der Welt ahnungslose Seele blos hilflos gebunden gewesen, und hatte nicht gewußt, wassie entbehre.
Noch in demselben Augenblicke, als Abdias diese Entdeckung gemacht hatte, wurde in dieentfernte Stadt um den Arzt geschickt. Er kam erst am nächsten Tage, und bestätigte mit seinenKenntnissen, was Abdias vermuthet hatte. Sofort wurde nun wieder ein ganz anderes Verfah-ren mit dem Kinde eingeschlagen. Es wurde wieder in ein Zimmer verbannt, es wurde ihmein kleiner Sessel gemacht, auf dessen Lehne es das Haupt znrücklegen konnte, daß die Augen,die schönen aber unnützen Augen, aufwärts gerichtet wären, daß der Arzt und der Vater indieselben hinein schauen konnten. Abdias schaute oft hinein, aber nicht das Geringste, nichtdie kleinste Kleinigkeit war zu entdecken, wodurch sich diese Augen von andern gewöhnlichen Men-schenaugen unterschieden, außer, daß sie schöner waren, als andere, daß sie klar und mild waren,wie man selten menschliche Augen finden würde.
Es begannen nun, obwohl der Arzt gesagt hatte, daß er wenig Hoffnung geben könnte.