Druckschrift 
Abdias
Entstehung
Seite
53
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Abdias ging nun mit demselben Eifer, mit dem er bisher alles betrieben hatte, daran,sich mit Ditha zu beschäftigen, obwohl er eigentlich nicht wußte, wie er es anfangen sollte, siezu entfalten und vorwärts zu bringen. Er hielt sich schier immer in ihrem Zimmer auf. Erberührte sie, er redete mit ihr, er setzte sie in ihrem Bettchen auf, er setzte sie auf den Teppichdes Fußbodens, er stellte sie auf ihre Füße, er versuchte ob sie gehen könne, er wollte sehen,ob sie nicht eine kleine Strecke laufe, wenn er ihr einen lockenden Gegenstand Vorhalte, undsehr viele Dinge dergleichen Art: aber sehr bald sah er, daß das Mädchen nicht sei, wie essein sollte. Er gab die Schuld auf die zwei Dienerinnen, die er in Europa blos zu dem ein-zigen Dienste für Ditha genommen hatte, und welche nur für ihren Körper gesorgt hatten, daß

er gesund sei und gedeihe, für die sonstige Entwicklung aber nichts gethan zu haben schienen.

Das Kind war jetzt schon um vier Jahre herum alt, aber es hatte nicht die Art undWeise eines vierjährigen Kindes. Sein Angesichtchen war unsäglich lieb und schön, und esentfaltete sich täglich mehr als das reizende Ebenbild des Vaters, wie er aussah, da er nochjung und schön gewesen war; nur war die Kraft des Vaters durch leise Züge der Mutter ge-mildert, die in der Bildung des Angesichtes zum Vorschein kamen. Der Körper war fast der

eines vierjährigen Kindes, nur schien er viel zarter und nicht so stark zu den Bewegungen zu sein,welche Kinder in diesem Alter schon zu machen Pflegen. Aber es lagen auch diese Bewegungennicht in ihren Gliedern, der Vater wußte nicht, wegen bisheriger Vernachlässigung derselben,oder weil sie überhaupt noch nicht da waren. Sie konnte noch nicht gehen, und zeigte auch keinenDrang dazu, wie er sich doch sonst schon in viel jüngeren Kindern äußert, wenn sie nach Ge-genständen ihres Wohlgefallens hin streben. Ja sogar sie kroch auch nicht einmal, wie doch die

unentwickeltsten Kinder versuchen, sobald sie sich nur sitzend zu erhalten vermögen. Wenn mansie auf den Boden niedersetzte, so blieb sie auf demselben Platze sitzen, man mochte noch so rei-zende Gegenstände oder Naschwerk, das sie sehr lieb hatte, in ihre Nähe legen. Stehen konntesie schon, aber wenn man sie auf die Füße stellte, blieb sie unbeweglich stehen, klammerte sich

an die sie haltende Hand, und wenn man diese weg zog, stand sie einsam in der Luft da,

strebte nach keiner Richtung weiter, ihre Füßchen zitterten, und in den Mienen sprach sich Angstund die Bitte um Hilfe aus. Wenn man ihr dann die Hand gab, und damit einen ihrerFinger berührte, so hielt sie sich schnell daran, faßte mit beiden Händchen darnach, und zeigteNeigung, nieder zu sitzen. Wenn man ihr aber das verweigerte, so blieb sie stehen, sich ander dargereichten Hand festhaltend, und nichts weiter versuchend. Am vergnügtesten schien sie zusein, wenn sie in ihrem Bettchen lag. Da fühlte sie den meisten Halt um sich, war, wie essonst auch ihre Weise war, sehr fromm, fast nie weinend, langte nach nichts, sondern hieltgerne eine Hand in der andern, und tastete und spielte mit den Fingern der einen in denender andern. Auch das Angesichtchen zeigte noch nicht die Erregtheit, die sonst Kinder > haben,wenn sie durch die ersten und vermöge ihres hilflosen Körperchens sehr heftigen Verlangungenbewegt werden. Nicht einmal wenn der Vater, den sie recht gut kannte, mit ihr redete, sie