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Abdias
Entstehung
Seite
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sanfter Reiz der Oede und Stille liegt darüber ausgegossen, ein freundlich Spinnen der Sonnen-strahlen längs der grünen Fläche, als schienen sie mit vorzugsweiser Liebe und Milde auf diesenOrt, da er gegen Mitternacht durch einen starken und breiten Landrücken geschützt ist, und sodie Strahlen günstig aufnimmt. Zur Zeit, da sich das zutrug, was wir hier erzählt haben,war das Thal ganz und gar unbewohnt: jetzt steht ein nettes weißes Haus ans seinem Weide-grunde, und einige Hütten rings herum, sonst ist es noch fast öde wie vorher. Einst war nurder weiche Rasengrund, beinahe ganz ohne Bäume, nur hie und da von einem grauen Stein-blocke unterbrochen. Der Rasengrund schwingt sich zu einer sanften Wiege herum, die, wie wirsagten gegen Mitternacht durch einen. ansteigenden Landrücken geschlossen ist, auf dessen Höheein Föhrenwald, wie ein mattes Band am Himmel hin zieht; im Mittage aber hat es eineAussicht, die durch das hereinschauende Blau entfernter Berge umschlungen ist. Sonst bietetdie Wiege auf ihrem Grunde nichts dar, als das Grün des Bodens und das Grau der Steine;denn die schmale Schlange des Baches, der in ihrer Tiefe fließt, ist dem betrachtenden Augevon mäßiger Entfernung aus nicht mehr sichtbar.

An der Mitternachtseite dieses Thales, jenseits des Föhrenwaldes, beginnen wieder dievon Menschen gepflegten Gegenden, namentlich stehen die Felder gerne in großen Strichen hinmit der blauen Blume des Flachses bepflanzt. Auch gegen Mittag in nicht gar großer Entfer-nung sind wieder bebaute Fluren. Nur die Thalwiege, wie das oft bei Landbebauern geschieht,weil sie in der That dem Anbauer größere Hindernisse entgegen setzte, stand im Rufe der gänz-lichen Unfruchtbarkeit. Es ward nie ein Versuch gemacht, zu ergründen, ob sich dieser Rufbestätige, sondern man nahm ihn von vorne hinein als wahr an, und so lag die Wiege Jahr-hunderte hindurch unbenützt da. Es ging nur ein sehr schmaler, an den meisten Stellen blosdurch das niedergetretene Gras erkennbarer Pfad durch das Thal, auf welchem Pfade regelmäßigim Frühlinge und Herbste einzelne Bewohner eines ziemlich entfernten Bergdorfes zu einer weitjenseits des Thales liegenden Gnadenkirche pilgerten, weil zur Kirche durch das unfruchtbare Thalder nächste Weg ging.

Als Abdias in sehr vielen Ländern Europa's herumgewandert war, um eine Stelle zufinden, an der er sich niederlassen könnte, und zufällig auch in das oben beschriebene Thal kam,beschloß er sogleich, hier zu bleiben. Was die meisten abgeschreckt hatte, das Thal zur Woh-nung zu nehmen, die Oede und Unfruchtbarkeit: das zog ihn vielmehr an, weil es eine Aehn-lichkeit mit der Lieblichkeit der Wüste hatte. Vorzüglich erinnerte ihn unsere beschriebene Wiegean einen Thalbogen, der im Grase Mossuls seitwärts jener Stelle herum ging, an der der Sagenach die uralte Stadt Ninive gestanden haben soll. Der Thalbogen hatte ebenfalls wie unsereWiege nur Gras ohne Bäume, nur daß in dem Thalbogen Mossuls auch nicht einmal graueSteine aus dem Grase heraus ragten und die einzige dämmernde Farbe desselben unterbrachen,und daß auch kein so schönes Bergesblau hereinblickte, wie in unsere Wiege.

Abdias hatte sich von mehreren Fürsten und Herren Briese verschafft, welche ihm erlaub-

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Tiisieic. Abdias.