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lassen zu dürfen. Auch von den zahlreichen Legenden wurden vieleübergangen, wo der Inhalt gar zu unbedeutend schien; ich denke, eben-falls ohne Nachtheil, ja es wird vielleicht Manchem Vorkommen, als hätteich bei der Auswahl noch strenger zu Werke gehen dürfen. Doch habeich mich hiebei nicht immer bloss vom Inhalt, sondern öfter von Rück-sichten auf Darstellung und Sprache leiten und bestimmen lassen. Dasvon mir Mitgetheilte beträgt etwa ein Drittheil des ganzen Buches; durchdas Weggelassene wird, glaub’ ich, Niemand viel verlieren. Gestaltensich künftig die Verhältnisse günstiger, und zeigt sich der deutsche Buch-handel zu dem Verlag solcher Werke so bereit wie jetzt schwierig, sobleibt es Jedem unbenommen, später einmal das ganze Buch herauszuge-ben. Trotz einzelner widersprechender Stimmen halte ich den beim Je-roschin eingeschlagenen Weg für einen richtigen und den Umständen an-gemessenen; ich betrete ihn darum auch hier wieder und bin überzeugt,dass mir die allgemeine Zustimmung nicht entgehen wird. Wie dort,werde ich auch hier von den Lautverhältnissen und anderen Eigentüm-lichkeiten des Dialectes, den diese Erzählungen zeigen, eine übersichtlicheDarstellung, diesmal mit Hinzuziehung anderer verwandter Spracliquellen,geben, und zugleich den Vorrath seltener und wichtiger Wörter aus derganzen Handschrift in alphabetischer Ordnung folgen lassen, als einenBeitrag von mir zu dem in Aussicht gestellten niederdeutschen Wörter-buche, dessen wir immer noch so schmerzlich entbehren.
Nicht bloss in sprachlicher Hinsicht, auch als Beitrag zur Novellen-litteratur des Mittelalters werden die nachstehenden Mittheilungen will-kommen geheissen werden. Unsere Litteratur besitzt an erzählender Prosaaus älterer Zeit keinen solchen Reichthum, dass man Denkmäler dieserArt, auch wenn sie an und für sich von minderer Erheblichkeit wären,darum gering achten dürfte. Und gerade die niederdeutsche Prosa scheintmir doppelter Beachtung wertli. Denn wie wenig, gegenüber dem reichenGehalt, sowie den strengen und reinen Formen der mhd. Poesie, die mittel-niederdeutschen Gedichte, in denen der Mangel an Schwung und die Ver-wilderung in Versbau und Reim gleichmässig abstossen, uns Zusagen kön-nen, so steht doch die erzählende Prosa, meinem Gefühle nach, weit überder hochdeutschen. Es ist ein ganz eigener Reiz darüber ausgegossen,etwas überaus naives, zutrauliches, anschmeichelndes, das Jener in diesemMaasse nicht eigen ist. Diesen Eindruck haben die in der GrimmischenSammlung mitgetheilten niederdeutschen Märchen auf mich gemacht, seitich sie kenne (und das ist lange her), und was ich seitdem an altern