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Beiträge zur Kenntniss der Kölnischen Mundart im 15. Jahrhundert
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liehen Schriften, immerhin einigen Ersatz; und dass man, wo Gedichtefehlen, auch aus der Prosa von der Beschaffenheit einer Sprache genaueKenntniss gewännen könne, darüber wird wohl Niemand in Zweifel sein.Jedenfalls liesse sich mit Hilfe dieser Quellen eine viel vollständigereDarstellung der mittelniederdeutschen Sprache geben, als sie in der Gram-matik , wo gerade dieser Theil mehr als stiefmütterlich behandelt wurde,zu finden ist. Mit grösserem Recht als über die Dürftigkeit der Quellendurfte sich J. Grimm allerdings über den Mangel an zuverlässigen Vor-arbeiten beklagen. In der That hat für die wissenschaftliche Erforschungder niederdeutschen Sprache alles erst noch zu geschehen. Was bis jetztauf diesem Gebiete etwa geleistet wurde, ist kaum ein Anfang zu heissenund verschwindet fast gänzlich gegenüber den umfassenden und vortreff-lichen Arbeiten, deren sich die hochdeutsche Sprache der mittlern undneuern Zeit rühmen darf. Diese Vernachlässigung ist auffallend undschwer zu begreifen für Denjenigen, der die wurme Liebe kennt, womitder gebildete Niederdeutsche an seiner heimathlichen Sprache und Mund-art hängt. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr ferne, wo der Norden un-seres Vaterlandes sich aufraffen und die Versäumniss langer Jahre imSturme einbringen wird.

Einstweilen wollen aber wir Süddeutsche die Hände nicht in denSchooss legen, sondern auch für die Erforschung jener Dialekte, derenKenntniss für die Geschichte der deutschen Sprache von höchster Wich-tigkeit ist, wenn schon mit beschränkten Mitteln, thun, w as in unsernKräften liegt. Vorläufig gebe ich hier einen Beitrag zur Kenntniss derKölnischen Mundart im 15. Jahrhundert, der, wie ich hoffe, sowohl sprach-lich , als vermöge des Inhalts der Mittheilung nicht umverth wird befun-den werden. Es sind Auszüge aus einem unter dem Titelder SeelenTrost nicht unbekannten Buche, das sich die Erklärung der zehen Ge-bote etc. zur Aufgabe gesetzt hat und diese durch Mittheilung einer Reihevon Exempeln practisch zu erfüllen sucht. Es ist ein Sammelwerk, das,ähnlich den Gesta Romanorum, eine Sammlung von überall her zusammen-gelesenen Novellen, Erzählungen, Legenden und Anecdoten enthält, sichaber mit jenen nur höchst selten berührt. Statt der langweiligen Morali-sationen, die dort jedem einzelnen Stücke angehängt werden, ist es hierein fortlaufender Commentar, bestehend in meist kurzen Erläuterungen undErklärungen, die ein Geistlicher seinem Kinde gibt. Diese Nutzanwen-dungen sind von keinem allgemeinen Interesse, sie ergehen sich überdiesin unzählichen Wiederholungen, und ich glaubte sie ohne Schaden weg-