86
Bin ich doch auferwachsen und geborenIn diesen schönen spanischen Gefilden!
Das Heimathland bleibt jedem Menschen werth.Als einst vor langen Jahren an der KüsteEin griechischer Gelehrter Schiffbruch litt, —Gesegnet sei der Zufall, der ihn führte,
Denn er hat mich erzogen und gebildet —
Da sprach er oft von seines Landes Pracht.
Wie Mährchentraum drang's da zu meinen Ohren,Doch stets gab ich zurück: „hier ist's doch schöner!"
Tnlga
Trotz aller Unbill, die Dein Volk erlitt?
Chlodosinda.
Bedenke doch, ich war ja nur ein Kind.
Was weiß die Kindheit von dem Druck u. Jammer,Den Knechtschaft ausübt auf ein armes Volk?
Im Blumenland der KinderphantasieWächst einzig nur die Blüthe reiner Freude,
Weil sie von Schmerzen keine Ahnung hat.
Erst später lernt' ich unser Elend kennen:
Doch war die Liebe zu dem schönen LandSo fest in meinem Herzen eingewurzelt,
Daß sie sich nicht daraus verbannen ließ.
Durch Gaben, die ich meinem Schöpfer danke,
Und nächst ihm auch dem morgenländ'schen Lehrer,Ward ich bald hochgeachtet bei den Meinen.
Ich hatte Stimme in dem Rath der Männer,
Und wenn man Dir in dem hispan'schen LandeEin schimmernd Diadem auf's Haupt gedrückt,Damit ihr trügrischer FarbenscheinDich glauben lehre an Dein Herrscherthum,
So ward ich meines Volkes KöniginAuch ohne Krone durch des Geistes Macht.Tulga.
Du wühl'st in mir geheime Schmerzen auf,
Und zeigst mir doch kein Mittel, sie zu stillen.