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Priori«
Die Stunde naht, wo ans des Königs WunschIch Dich entlasse, Tochter der Vasconen!
Und da auch unsre mürd'gen Väter alleDem Wunsch des Herrschers nicht entgegen sind,So folg' ich ihrem Willen, nur gewöhnt,
Stets gut zu heißen, was sie mir gebieten.
Zwar hält' ich gern um Deiner Seele willenGestärkt in unserm Glauben Dich entlassen:
Doch hoff' ich, daß die Zeit das Ihre thut,
Und immer mehr die trüben Schleier reißen,
Die Dein sonst klares Auge noch umschatten.
Will Dich die Sünde locken, folge nichtUnd bet' zu Gott, den Du ja auch verehrst,
Daß er Dir Deine Seele rein erhalte.
Die Schwestern klagten über störr'schen Sinn,
Sie scheuten Dich und Deines Volkes BräucheUnd mieden darum ängstlich Deine Nähe,
Die Du nicht Christin und nicht Heidin bist.
Ich mied Dich nicht und habe gleich erkannt,
Daß vieles Gute Dir im Herzen schlummert.
Ist dies nun Sünde, so mag Gott mich richten,Und meine Hand, zum Segnen nur bestimmt,
Soll segnend auch bei Deinem ScheidenDein junges Haupt berühren,
(Die Priori» legt die Hände auf Chlodosinda's Hauptund küßt ihr mit Rührung die Stirne.)
Lebe wohl!
(5-rstc Nonne (sich bekreuzigend.)
Bei allen Heiligen, sie küßt die Heidin!
Mit Zauberbanden hält die SünderinDie würdige Aebtissin ganz umstrickt.
Gebenedeite Mutter, rette sie!
Zweite Nonne.
Amen! Verderb' uns nicht durch diese Hexe!