LO4 Eine kurze Nachricht
Man sieht dieses nicht deutlicher als aus den Ge«genmitteln, deren sich die Fürsten gegen die Freygrafenbedienten. Einige sagten, der Kayser wäre ihrer zu Eh-ren und zu Rechte mächtig, und so brauchten sie vor kei-nem freycn Stuhle zu erscheinen; dieses wollten aber dieFrcygrafen nicht gelten lassen, weil sie eben diejenigen zuseyn behaupteten, die unmittelbar unter des KaysersBanne richteten. Hierin irrcten sie sich jedoch, denn dermiffu- mußte, wenn cs hohe Standespersonen betraf,an den Kayser berichten, der dann deren ihre Sache vordie Retchsversainnilung brachte. Andre Fürsten undStände nahmen ihre Zufluchtzu Austrägen, und schütz-ten vor, weil sie Austrage hätten, vor welchen sie bespro-chen werden könnten: so wären sie nicht schuldig den Frey«grafen in der ersten Instanz zu antworten. Dieses ließman gelten, und jedermann, auch sogar Städte wähltensich andre Städte zu Austräger, um den Freygrafcn zuentgehen. Noch andre beriefen sich in dieser Absicht aufihre Provincial-Reichsgerichte, wie auf das Kayserl.Gericht zu Rottweil, und beförderten deren Aufnahme.Viele Fürsten errichteten, um ihre Edelleute gegen dieFreygrafenzu schützen, Fürstl. Landgerichte, und der Adeswie auch die Städte flogen mit Freuden darunter, allesin der Absicht um den hundert lausend Henkern zu ent-gehn, die unerkannt in Deutschland lebten, und jedenDerfehmten vom Leben zum Tode richteten.
Man kann also wohl sagen, daß die WestphälischenFreygrafen die jetzige Reichsverfassung in vielen Stückenbefördert, und das in die Anarchie verfallene Volk nocham mchrftcn unter die Fürsten Hüte und Bischofsmützengejagt, diese aber gcndrhiget haben sich einem allgemei-nen Reichsgerichte zu unterwerfen, und sowohl für sichals für ihre Unterthanen einen Oberlichter zu erkennen,
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