2Z4 Amaliens Schreiben
bringen. Allein glauben Sie mir nur, mein 'gutes Kind,e6 ist eine Thorheic, der Tugend Spötter zuzuziehen, wennman ihr durch eine geringe Wendung in der Manier Vereh-rer erwerben kann.
Dieses sage ich Ihnen am ersten Tage des Jahrs; undSie können daraus alle meine Wünsche rrrathen.
1 , 1 .
Amaliens Schreiben über die
Lustbarkeiten.
zanke mich oft mit meinem Mann-Nun das
versteht sich, werden fie lagen-und vielleicht
hat er wohl gar Recht, dies versteht sich sonst nicht-
wenn es auf die Frage ankömmr? was eigentlich Lust-barkeiten seyn? Heute, spreche ich zu ihm, will ich michrecht divertiren: wir haben Comödie, Ball, und wenn die-ser zu Ende, ein Jagdfrühstück; ich werde mich einmalrecht satt tanzen. Mit Lächeln wünscht er mir Glück zumeinem großen Vorsatz; und dann wann die Lust nun vor-über, und ich den ersten Taumel ausgeschlafen habe: so siehter mich an, als wollte er fragen: wie ich mich dann nundivertirt hätte? Heimlich beschämt, aber großsprecherischerzähle ich ihm dann mit den lebhaftesten und übertrieben-sten Ausdrücken, was ich alles genossen, empfunden und«usgeführt hätte. Er aber, der mich kennt, und mir insHerz steht, läßt sich durch keine Blendungen täuschen. Hierbey dieser Hand, sagt er, indem er diejenige faßt, welcheich ihm ehmals zum ersten Zeichen meiner Lieb« reichte, be-schwöre ich Sie mir aufrichtig zu gestehen: ob Sie sich«ürklich jp sehr erlustiget haben wie Sir vergeben? Nun
bin