an ihre junge Niece. 2zz
für ein junges westfälisches Madgen ist, sich in dem Ruseeines gurcn Ainves zu erhalten, sich der Wirthschaft zu be-fleißigen, und der Mode zu folgen, so wie sie der Rangord-nung nach an sie kömmt. Diejenige, so hierinn zu viel oderzu wenig thut, verfehlt das allgemeine Ziel, und verlischtehe sie brennet.
Wenn ich Ihnen also als eine gute Tante rathen soll:so erniedrigen sie Ih rn Kopfputz vorerst nur um einen Zoll;und befleißigen sich der Wirchschaft ohne jemals davon zusprechen. Zeigen Sie Ihren Freunden rin ofnes Herz; ver-meiden Sie allen Hang zu besonder» Tugenden, und lassendie Weisheit denen, die solche besser verwahren können, alses ein junges Mädgen thun kann. Dies waren die Regelnmeines seligen Vaters, wodurch ich eine glückliche Frau ge-worden bin; anstatt daß verschieden« meiner alten Gespie-linnen, die, wie ich versichert bin, mehrern Witz, höhereTugenden und einen seinem Geschmack hatten, und dabeyimmer sich nach der neuesten Mode kleideten, oft bewundertund nie geliebet wurden.
Ihre wahre natürliche Stärke, mein liebes Kind! istrin gutes empfindliches Herz; keine Rolle gelingt besser alsdiejenige, wozu man von Natur aufgelegt ist. Wollen Ciealso ja in Ihren Jahren durch einen besonder! Vorzug glan-zen: so setzen Sie Ihre ganz« Kunst darin», daß Sie diesesgute empfindliche Her; einem jeden auf die vortheikhaftesteArt zeigen. Seyn Sie aufrichtig und spielen die Aufrichtig-keit; diese Comödie gelingt und gefallt leicht, anstatt, daßIhnen ein offenbarer Krieg mit allen Modethorheiten odereine andre strenge Tugend in Ihren Jahren nur Spott zu-ziehen wird. Vielleicht denken Sie, daran sey nichts gele-gen, und es sey rühmlich, der Tugend rin solches Opfer zu^ P 5 brin-