Dm plumpen Turmbau hat eine spätere Zeit angefügt (1697?) Auchunsere „tüchtige" Zeit mußte ihre Spuren hinterlassen. O, es istschändlich! Sie brach zwei Reihen langweiliger Fenster in dem Winkelder Hinteransicht. Und nun stelle man Vergleiche an. Ich meine, dasungeübteste Auge muß es erkennen, wie tief wir seit 1566, dem Er-bauungsjahr dieses Hauses heruntergekommen sind. Ich meine, dieScham über die trostlose Geistesarmut und grobe Lügenhaftigkeitunserer Zeit müsse jedem Empfindenden die Röte ins Gesicht treibenbeim Erschauen so hoher Kunst, und ihn anspornen, wenigstens denVersuch zu machen, jene Höhe wieder zu ersteigen.
10. Ruine KonradsheimAei Lechenich.
Muß das ein reicher stolzer Herr gewesen sein, der Herr Kuonrad,der sich bei Lechenich die Burg erbaute. Kriegerisch war er gesinnt;aber er faßte die Fehde doch wohl mehr als fürnehmen Zeitvertreibdenn als „knechtiges" Handwerk auf. Er ließ den Feind an sich heran-kommen und prahlte dann mehr mit dem Glanz seiner Waffen, alsdaß er mit Keulen dreinschlug. Aber auch sinnig konnte er sein; wasweiß uns der Erker davon nicht alles zu erzählen! Kurz und gut,er war ein echter Rheinfranke und fränkisch schaut sein Haus aus vouder Sohle bis zum First. Es blieb uns bis auf den Rundturm ander rechten Ecke, der wohl in Kriegszeiten ein paar Schöffe in dieWeichen bekam, davon er in die Gracht stürzte, dank der gediegenenund kunstgerechten Ausführung ganz erhalten. Merkwürdig, dieAusführung widerspricht in allen Teilen unseren baubehörd-lichen Vorschriften und doch steht das Haus schon etliche vier-hundert Jahre, während unsere unter Aufsicht aneinander gelehntenDreifenster-Kisten schon nach einigen Jahrzehnten Umsturzgedanken ver-raten. Wagt es aber nur nicht, an ihren Kisten zu rütteln, gleichhabt ihr sie auf den Fersen, die ganze Meute nämlich des Unter-nehmer-Klüngels und des Spießbürgertums. Wie sie belfern! Hahaha!— Schade, daß Herr Kuonrad nicht mehr lebt; der würde sich einenSpaß daraus machen, eure Kisten mit ein paar Mörsern einzuböllernund euch selbst den Esel reiten lassen zur Besichtigung der Vorzügeseiner Burg.
11. Rittergut Brempt in Vorst.
Hinter dem Dorfe Vorst im Buschwerk fast versteckt liegt das Ritter-gut Brempt. Wohl stammt es schon aus der Zeit des Verfalls derBaukunst — dafür zeugen die langweilig aufmarschierten gleich großenFenster — aber es verrät doch noch das alte feine Gefühl für richtigeVerhältnisse, es hat noch den alten großen Zug des Schattenriffes undkennt seine Einfügung in die Landschaft. Wenn ihr nur das erst
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