wieder zu sehen verstündet! Zwar zeigt das Mansardendach schon denverderblichen französischen Einstuß, aber es ist doch noch nicht so gänz-lich unbrauchbar, wie die platten Dächer unserer Unternehmer-Kasten.Tadellos schön dagegen ist der Turmhelm. Das ist noch die alte rechteArt, sich zu geben. Und nun seht, wie sich die Pappel über den Turmherüberlehnt, und wie das Immergrün ihn umrankt, und wie dieEichen das Haus beschirmen! Jst's Zufall — dies Zusammenwirken?Nein, die Anlage erwuchs aus dem Bedürfnis, unwillkürlich, aber nichtunbewußt; ein feines Kunstempfinden hat sie geschaffen.
12. Kühtor in Kempen.
Kommt ihr von Geldern die Straße entlang, so vertritt er euch denWeg, der gewaltige Recke. Kaum, daß er euch einen Durchschlupfzwischen den stämmig gespreizten Beinen läßt. Schier unverletzlich wiein Eisen geschient, starrt er euch an, droht mit den verderbenspeiendenSchlünden von oben herab und schickt seine scharfen Augen rings imLand umher, den Feind zu erspähen. Und die Schutzbefohlenen zurRechten und zur Linken möchten's ihm gleichtun in der Abwehr.Aber er tritt schützend vor sie hin im Bewußtsein seiner Stärke undPflicht. Jedoch der Großvater mit der Zipfelmütze schaut ihm überdie Schulter und blickt mit dem breiten ehrlichen Gesicht euch an, alsob er sagen wollte: Nun Kinder, fürchtet euch nicht; der ist nicht soschlimm, wie er aussieht; schlüpft ihm zwischen den Beinen hindurchund ihr seid bei mir geborgen.
Leider hat man den oberen Teil des Tores „renoviert." Erträgt infolgedessen nicht den Ausdruck der längst verflossenen Zeit, inder es entstand; aber man muß doch hinzufügen, der „Renovator"hat die alten Züge peinlich genau nachgezogen' Schrecklich dagegenist die Umgebung. Man kann das Tor Nicht betrachten, ohne vonden modernen Unternehmerkasten gestört zu werden, die es mit ihrensinnlosen Formen und frechen Farben regelrecht umzingeln, wie dasGemeine das Erhabene, das vom Pöbel geschmähte. Fürwahr einlehrreicher Gegensatz!
Hier die hohe Kunst einer starken Zeit, dort die erbärmliche Macheunserer Scheinkultur.
13. Haus Dieckhof in Niederdonk.
Wuchtig, drohend steigt er aus der Landschaft, der Turmhelm derWasserburg in Niederdonk: Hier steh ich, wer wagt's, es mit mir auf«zunehmen! Es ist der große Geist der Gothik, der noch einmal ausdem Werke späterer Zeit spricht. Woher die gewaltige künstlerischeWirkung? — Aus der Einfachheit und Wahrheit seiner Linien! KeineVerzierlichung, keine Verzimperlichung; selbst die Wetterfahne ist nur