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3 (1902) Baukunst-Flugblatt
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Wie unsere Altvordern baueten.

Ein Wesen schlicht,ein ehrlich Gesichtund lebig Gedichtfürcht kein Gericht.

Man hat mich manchmal gefragt, was ich denn unter NiederrheinischerMundart in der Baukunst verstehe? Aus dieser Frage mußte ichentnehmen, entweder, daß man mein Gleichniß Baukunst zuSprache nicht verstanden, oder aber, daß man in dem Wirrwarrfremdsprachlicher Laute die Muttersprache nicht mehr heraushört.Deshalb entschloß ich mich, in 'reinen Ausdrucksmitteln noch anschau-licher zu werden und das Bild reden zu lassen. Und so führe icheuch eine Sammlung Federskizzen vor von Bauwerken, die mich aufmeinen Wanderungen so recht ehrlich Niederrheinisch angesprochen haben.Das sollen und wollen gar nichthübsche" Zeichnungen oder genaueWiedergaben der Wirklichkeit sein da hätten ja Lichtbilder aus-gereicht, nein, das wollen eben sein, was sie sind, Darstellungenvon Eindrücken, wie sie der für die schöne Gotteswelt geöffnete Sinnempfängt, zeichnerisch so gut und so schlecht sie auf 'm Tritt aus-fallen.

Man kann sich, zumal auf einem so wenig gepflegten Gebiete, wieauf dem der Baukunst, nicht genug vor Mißverständnissen und falschenAuslegungen hüten. Deshalb betone ich nochmals vorweg: Ich willgar nicht Jemanden verleiten, in der alten Weise zu bauen jederüberlegende Mensch muß sich selbst sagen, daß mit einer Zeit und ihrerGesittung auch ihre Bauweise steht und fällt sondern ihr solltlediglich an den Bauwerken eurer Ahnen lernen, wieder zweckentsprechendund schön zu bauen, wie sie es verstanden haben, Zweckbestimmungund Gefüge eines Bauwerks künstlerisch zum Ausdruck zu bringen.

Der freilich, der gewohnt ist, in der Stadt dieitalienisch-griechisch-französisch-gothisch-romanisch-moderne Gauklersprache" zu vernehmen undseinen Fuß nicht vor die heimatliche Schwelle gesetzt, wird schwerlicheinen Sinn in meinem Handeln finden.

Eher schon der, der sich ein Wenig in der Welt herumgetummelt undmit geschärftem Gesichte heimkehrt, um zu erblicken, welche Schätze wirzu verlieren im Begriffe sind.

Sicher der, der die Dinge nicht durch die buntgefärbten Gläser unsererScheinbildung, sondern mit seinen eigenen Augen betrachtet und durcheigene Erkenntniß dazu gekommen ist, das Gute vom Schlechten, dasWahrhaftige vom Heuchlerischen und das Häßliche vom Schönen zuunterscheiden.

Euch allen aber rufe ich zu:

Rettet die Heimat vor dem Unternehmertum!

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