Soeben war ich zum Kaffee bei Madame Käselau, inder Nähe; es sind angenehme Leute, und auch unsere Nach-barn linkerhand, namens Gußmann (aber die Häuser liegenziemlich weit voneinander) sind umgängliche Menschen. Wirhaben ein paar gute Hausfreunde, die beide ebenfalls hierdraußen wohnen: den Doktor Klaaßen (von welchem ichDir nachher noch werde erzählen müssen) und den BankierKesselmeyer, Grünlichs intimen Freund. Du glaubst nicht,waö für ein komischer alter Herr daö ist! Er hat einenweißen, geschorenen Backenbart und schwarz-weiße dünneHaare auf dem Kopf, die auSsehen wie Flaumfedern undin jedem Luftzuge flattern. Da er auch so drollige Kopf-bewegungen hat wie ein Vogel und ziemlich geschwätzig ist,nenne ich ihn immer „die Elster"; aber Grünlich verbietetmir dies, denn er sagt, die Elster stehle, Herr Kesselmeyeraber sei ein Ehrenmann. Beim Gehen bückt er sich undrudert mit den Armen. Seine Flaumfedern reichen nur biszur Hälfte des Hinterkopses, und von da an ist sein Nackenganz rot und rissig. Er hat etwas so äußerst Fröhliches ansich! Manchmal klopft er mir auf die Wange und sagt:Sie gute kleine Frau, welch Gottcssegen für Grünlich, daßer sic bekommen hat! Dann sucht er einen Zwicker hervor(er hat stets drei davon bei sich, an langen Schnüren, diesich beständig aus seiner weißen Weste verwickeln), schlägtihn sich aus die Nase, die er ganz kraus dabei macht, undsieht mich mit offenem Munde so vergnüglich au, daßich ihm laut ins Gesicht lache. Aber das nimmt er garnicht übel.
Grünlich selbst ist viel beschäftigt, fährt morgens mitunserem kleinen gelben Wagen zur Stadt und kommt oft