4 Calvin.
manorum iilnstrals. Xrgentorsti 1789. 4.) den übermächtigen Einfluß päpstlicher Kir-chengewalt im monarchistischen Sinn zu dämmen. Jndirect wurde dadurch, daß jeder derfranzösischen Bischöfe in seinem Sprengel einzeln gegen Andersdenkende Nachgiebigkeit be- ^weisen konnte und daß auch Beschwerden gegen Misbrauch bischöflicher Gewalt nebst denrechtlichen Einwirkungen der Parlamente möglich waren, eine freiere Bewegungder Geister auch über kirchliche Gegenstände vorbereitet. Da durch Franzl.Begünstigung der liberalen (d. i. frei-erfindenden) Künste und schönen Wissenschaftennoch mehr Geistesthätigkeit erregt wurde und aus die Studien Nichtgeistlicher eine geschmack-vollere (elegant genannte) Denkfreiheit überging, so konnte die Anwendung des Selbst- ^denkens und des verbesserten Geschmacks auch gegen das Unglaubliche und Geschmacklosemancher dem Religiösen beigemischten dogmatischen und historischen Traditionen nicht langeausbleiben.
Calvin's Studienjahre, wo er seine Vorbereitung für ein seinen Talentenentsprechendes Emporkommen in Kirchenwürden auf ausgezeichnete Kenntnisse in der latei-nischen und griechischen Sprache und in der gedoppelten Rechtswissenschaft zu gründensuchte, fielen gerade in die Zeit, wo überall eine Kirchenreformation in Hauptund Gliedern als unentbehrlich gefühlt, von Rom aus aber und von römischgubernirten Concilien (wie das zu Constanz schon bewies) nicht zu erwarten war. Destolichter wurde sie durch die philologischen und philosophischen Studien der Humanität ausGriechen und Römern beleuchtet und durch Dichter in den Landessprachen volksthümlichgemacht, bis die Hoffnung, sie verwirklichen zu können, auch in Frankreich, sobald dieMorgenröthe von Deutschland her sichtbar wurde, ein fast allgemeines Erwa-chen der Kräfte und der Gegenkräfte erregte. Auch des jungen Calvin Ge-rn üth wurde von der Nothwendigkeit vieler Berichtigungen ergriffen und bald durch-drungen. Indem er sich zu Bour-ges bei Melchior Volmar, einem Deutschen ausRotweil, im Griechischen übte, wurde er immer näher mit den Einwürfen bekannt, welche ^Luther erst nur gegen die bezahlbare Sündenerlassung und die Zurechnung aus dem Schatzeüberverdienstlicher Werke der Heiligen auszusprechen gewagt hatte.
Dazu hatte den auf der neuen Universität Wittenberg als Lehrer und Prediger seitKurzem angestellten jungen Augustinereremiten, welcher ebenfalls zuerst die Rechtskundestudirte, zunächst die gewissenhafte Beobachtung der verderblichen Folgen des Ablasses inden Volkssitten, die er als eifriger Beichtvater mit Schrecken kennen lernte, bewogen. Zu-gleich trieb ihn der Haß, welchen ihm sein natürlich gckter Verstand gegen den die Theo-logie und alle Wissenschaft verwirrenden Scholasticismus, das ist, gegen die den gewalt-habenden, besonders kirchlichen Vorurtheilen dienstbare und sie dialektisch, verfechtendeSpeculation, eingeflößt hatte. Er beabsichtigte ander dialektischen Vertheidigung, mitwelcher die kirchlich dienstbaren Scholastiker die Jndulgenzen und den durch die päpstliche 'Curie disponiblen Thesaurus guter Werke zu umgeben gewußt hatten, durch seine eviden-ten und echt satyrischen 95 Disputirsätze vom 31. October 1517 in der akademischen Weltein Exempel zu statuiren und dem Lehren und Glauben der scholastischenPhilosophie auf der neuen Universität den Herzftoß zu geben. An ein Reformiren i nder Kirchenlehre war noch nicht gedacht.
Erst als die römische Curie die Eigennützigkeit und die dortige Hoftheologie die stolzeUnklugheit gehabt hatte, bei diesem sichtbarlich unrettbaren Artikel von den durch zugerech-nete Heiligenverdienste gegen die Gebühr auszugleichenden Sündenschulden die irrefragableAuctorität des kirchlichen Lehroberhauptes zum Schutz der Scholastik auszubieten,und was bisher nur als gelehrte Meinung über den Ablaß gegolten hatte, durch eine päpst-liche Bulle (cpiinto Icius Nnvembns s. 1518) für eine vom päpstlichen Stuhl legitimirteKirchenlehre zu erklären, hatte sich der bis dahin gegen den Papst sehr demüthige und vondem verfeinerten Mediceer, LeoX., das Feinere hoffende Luther genöthigt gesehen, das,was er beim Gebrauch des Namens Eleutherius?) empfand, vollständigerzu werden
2) Wie Luther schon >517, 1518 sich gern und charakteristisch als k'ruter Nsrtinu»Lloutksrius Unterzeichnete, s. in meiner akadem. „GedLchtnißrede über den Ursprung der